Beni Thurnheer
schreibt für die WIZE jede Woche eine Fussball-WM-Kolumne.
Christoph Blocher
Mitten im Dreissigjährigen Krieg (1618–1648) erreichte die evangelischen Orte der Eidgenossenschaft ein Schreiben des schwedischen Gesandten. Diese sollten sich gefälligst der guten Sache anschliessen. Denn es sei «jetzo nicht mehr Zeit, sich mit der Neutralität zu behelfen». Angesichts der gemeinsamen Werte sei dies «vielmehr eine Faulheit und Verräterei als eine Klugheit und Fürsichtigkeit». Der König von Schweden beurteile die Neutralität als Feindschaft, die wiederum die seinige «erwecket und provozieret». Doch das mehrfache Drängen und Drohen zwischen 1629 und 1631 hatte keinen Erfolg.
Dabei betätigte sich Johann Jakob Breitinger als Vorsteher der Zürcher Kirche ungeniert als Propagandist der protestantisch-schwedischen Partei. Er sah in der Neutralität nichts als Schande: «Weil du lau bist und weder kalt noch warm, so will ich dich usspeien us minem mund.» Breitinger wollte militärisch gegen die katholischen Zentralschweizer Orte vorgehen.
Die konfessionell geteilte Schweiz blieb zu ihrem Glück neutral – und damit vor fürchterlichem Mord und Brand verschont.
Fast dreihundert Jahre später, am 4. August 1914, überfielen deutsche Truppen das neutrale Belgien. Die Empörung war vor allem in der Westschweiz riesig. Frankreich verlangte vom Bundesrat gebieterisch, diesen moralisch verwerflichen Einfall in einen souveränen Kleinstaat zu verurteilen. Doch der Bundesrat blieb fest. Die Schweiz habe sich nicht «gegen die von der einen oder anderen Kriegspartei begangenen Völkerrechtswidrigkeiten» zu äussern. Denn dies würde «in Widerspruch mit der durch Verfassung, Geschichte und Tradition und durch den unbeugsamen Volkswillen der Landesregierung auferlegten Staatsmaxime der Beobachtung absoluter Neutralität geraten». Die Beispiele über die heilsame Neutralität wären fortzusetzen.
E gfreuti Wuche
Christoph Blocher
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