Sarina Molinari
hat eine innige Beziehung zu den Songs von ABBA.
Eva Lenherr zeigt in der Galerie im Rathausdurchgang neue Bilder, gemalt auf den Seiten eines Erotikromans.
VernissageDer Besuch der Galerie im Rathausdurchgang Ulrich Harsch führt vorbei am Antiquariat mit raumhohen Bücherregalen im Parterre. Eine schmale Wendeltreppe führt ins Obergeschoss. Hier lassen die hüfthohen Bücherregale viel Weissraum für Kunst.
Gerade ist Eva Lenherr mit derUnterstützung von Mario Lüscher dabei, ihre aktuellen Werke zu platzieren. Ordentlich sind bereits A5 Bilder in Mischtechnik, gerahmt in Holzrahmen, an der Wand aufgehängt. «Wir sind noch nicht ganz fertig», sagt sie.
Die Künstlerin, Jahrgang 1953, stellt nach eigenen Angaben seit den 1990er-Jahren nun zum fünften Mal an diesem Ort aus. Der Inhaber Ulrich Harsch hat die Bilder visioniert und ausgewählt. Er hatte laut Lenherr oft Freude an ihren Bildern, war aber auch streng in der Auswahl.
Lenherr ist nicht nur Künstlerin, sondern auch Schauspielerin, Puppenspielerin und Autorin. 2023 erschien ihr Roman «Rindsdarmkopf».
«An obscure artist paints over (disguises) erotic Writing», so lautet das Titelbild der Ausstellung. Was es damit auf sich hat, führt die Künstlerin näher aus: «Bei mir zu Hause stand ein Buch im Regal, ‹Spa-Geflüster›, so ein modischer Roman mit erotischem Hintergrund», sagt Lenherr. «Dieser ging mir in seiner Seichtheit auf die Nerven und ich fragte mich, was ich damit anstellen soll: fortwerfen, zerschneiden – halt! Ich könnte ihn auseinandernehmen und die Seiten als Leinwand für eine neue Bildserie verwenden.» Seit jeher sind für Lenherr gebrauchte Objekte und Materialien wichtig.
Ein Bild zeigt eine Frau mit einem Messer auf dem Gesicht. «Im Buch war so viel oberflächliches Geplauder, und da diese Frauen sich ja ohnehin die ganze Zeit operieren lassen, habe sie dies gleich thematisiert. «Wenn ich ein Thema gefunden habe, arbeite ich rund ein Jahr daran.» Inspiration findet Lenherr während dem Malen selbst: «Ein Pinselstrich führt zum nächsten, eine Farbe zur nächsten.»
Sie lässt sich im Prozess des Malens auch von der Aktualität leiten. Die zweite Serie «Kriegsschauplatz» , gemalt in Acryl auf handgeschöpftem Papier mit fasriger Struktur, ist eine Annäherung an brüchige Situationen in Kriegszeiten.
Auf der Stirnseite der Galerie springt ein grossformatiges Bild von etwa eineinhalb Metern Breite ins Auge, gemalt ist es auf einer Projektionsleinwand. Das Werk heisst «Wuthering Hights», zu Deutsch «Sturmhöhe», nach dem gleichnamigen Roman von Emily Brontë.
In diesem Bild hat die Künstlerin verschiedene Szenen aus dem Roman ineinander verwoben. Wie oft bei Lenherrs Werken zeigen sich Abgründe erst auf den zweiten Blick. Die Frau mit entblösstem Körper wird zu einem Puppenhaus, in deren Bauch sich eine Mordszene abspielt. «Nacktheit steht für Verletzlichkeit, es macht aber auch Spass, nackte Körper zu malen», sagt Lenherr. «Brontës Erzählung ist eine Geschichte voller Leidenschaft und Romantik, aber auch voller Tragik», sagt sie.
Claudia Naef Binz
Galerie im Rathausdurchgang
Vernissage:
Samstag, 21. März, 15 Uhr.
Ausstellung bis 25. April,
geöffnet Samstag, 10–17 Uhr.
antiquariat-harsch.ch
Für weitere Besichtigungen:
evamargareta@bluewin.ch
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