Stefan Fritschi
duelliert sich gegen Kaspar Bopp um das Amt des Stadtpräsidenten.
Originalkunst für das private Wohnzimmer ausleihen, dies ist in der kürzlich eröffneten Artothek möglich.
Neuheit «Steine», «3 Poires» oder «Dächer in der Altstadt» so heissen nur drei der rund 50 Kunstwerke, die seit kurzem in der Sammlung Winterthur ausleihbar sind. Mit einer kürzlich eingerichteten Artothek begehen das Amt für Kultur Winterthur, die Sammlung Winterthur und die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) Neuland in der Stadt. «Es geht um eine niederschwellige Möglichkeit, Originalkunst auszuleihen», sagt Franziska Baetcke, Leiterin der Winterthurer Bibliotheken, in deren Abteilung auch die Sammlung Winterthur angesiedelt ist.
Wenn ich einen Claude Monet in meine Stube holen möchte, geht das? Baetcke lacht: «Das wird nicht möglich sein, denn ein Monet gehört ins Museum.» Die Initiantinnen der Artothek konzentrieren sich vielmehr auf Werke in verschiedenen Formaten und Techniken mit Winterthurer Bezug. Die Initiative für das Projekt ergriff Tanja Scartazzini, Leiterin Amt für Kultur Winterthur. Sie sagt: «Artotheken als niederschwellige Form der Kunstvermittlung begleiten mich seit meiner Studienzeit an der ZHdK. Im Rahmen der im letzten Jahr gestarteten Prüfung des Kunstinventars hat das Amt für Kultur die Chance genutzt, gemeinsam mit der Sammlung Winterthur und der SKKG ein solches Angebot umzusetzen – mit Werken aus den städtischen Beständen. Ziel ist es, lokale Kunstschaffende zusätzlich zu fördern, die Bestände sichtbarer zu machen und der Bevölkerung den Zugang zu Originalkunst im Alltag zu ermöglichen.»
«So wie in der Bibliothek ein Buch aus dem Gestell genommen werden kann, soll Kunst ausgeliehen werden können», sagt Regula Geiser, Mitarbeiterin der Sammlung Winterthur am Kirchplatz und verantwortlich für Ausleih-Konzept der Artothek. In der Schweiz gibt es nur wenige Bibliotheken mit angegliederter Artothek, dies ist eine Neuheit.» Ganz anders sieht es in Deutschland aus, wo an Bibliotheken angegliederte Artotheken weit verbreitet sind.
Zu finden sind die Winterthurer Werke im Medienkatalog der Winterthurer Bibliotheken unter dem Begriff Artothek. Dabei lässt sich nach Klassifikation wie Malerei, Fotografie oder nach Autor suchen. «Bei der Entwicklung des Konzepts ging es unter anderem darum, wie Bilder in die Systematik einer Bibliothekskatalogisierung aufgenommen und wie die Werke ausgeliehen und zurückgebracht werden können.» Diese lassen sich online reservieren, in der Sammlung Winterthur erfolgt die Ausleihe. Geiser greift nach einem Blick auf die Signatur gezielt einen der grauen Kartons mit dem gewünschten Werk heraus.
Nicht ganz einfach sei gewesen, eine Auswahl aus dem eigenen Bestand zu treffen. «Es ist eine Gratwanderung, Werke einerseits zu bewahren und andererseits der Bevölkerung zugänglich zu machen.» Die Sammlung Winterthur konzentriert sich laut Geiser auf Werke, die einen dokumentarischen Charakter haben. Nur wenn mehrere Werke eines Künstlers vorhanden sind, gelangt es in die Ausleihe. Wie die erwähnten Dachlandschaften von Ruedi Burgunder. Der gelernte Dachdecker sei wegen eines Unfalls aus dem Beruf ausgeschieden und habe sein Hobby intensiviert. Wenn das reservierte Gemälde zusagt, erfolgt die Ausleihe über das Konto der Bibliothekskarte. Mit der obligatorischen Bezahlung von fünf Franken ist das Werk gegen Beschädigung versichert.
Damit es sicher nach Hause kommt, wird das Werk in einem stabilen Karton transportiert. «Die Verpackung war eine Knacknuss, die Kartons sind Massanfertigungen», sagt Geiser.
Die zehn ersten Werke aus der Sammlung der SKKG sind ab Frühjahr 2026 in der Artothek ausleihbar. «Unsere Ausgangslage mit über 4000 Werken auf Leinwand wird es uns ermöglichen, eine Vielfalt in der Auswahl abzubilden. Nach dem Sommer analysieren wir gemeinsam mit den Bibliotheken Winterthur, was die Winterthurer Bevölkerung interessiert, und stellen im Herbst eine entsprechende zweite Tranche zur Verfügung.» Severin Rüegg, Leiter Sammlung SKKG. «Wir erhalten und pflegen die Sammlung der SKKG, weil wir glauben, dass Kulturerbe etwas bewirken kann: Gespräche animieren, Erinnerungen wecken, Gefühle auslösen. Das tun sie im Depot nicht – sie brauchen sozialen Kontakt. Dass die Werke im Rahmen der Artothek niederschwellig zu Menschen nach Hause können, ist sicher im Sinne von Bruno Stefanini und den Kunstschaffende, deren Bilder so wieder eine Rolle spielen im Alltag unterschiedlichster Menschen», sagt Rüegg.
Auf einen Favoriten angesprochen sagt Geiser, dass sie kein Lieblingsbild hat, aber Fotografie sehr mag. «Ein Bild macht etwas mit einem Raum», sagt sie. «In meiner Wohnung einen Platz für Bilder aus der Artothek reserviert und werde immer wieder mal Kunstwerke austauschen.»
Die neue Artothek solle einen breiten Geschmack treffen und richte sich in erster Linie nicht an Kunstkennerinnen oder Sammler. «Es ist der Urgedanke der Bibliothek, Zugang zu Wissen für alle zu schaffen, bisher durch Bücher – und seit Neustem mit Originalkunst», sagt Geiser. «Diese Bilder erhalten ein zweites Leben, da sie aus dem Depot heraus- und in die Wohnzimmer hineinkommen.»
Claudia Naef Binz
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