Sol Bufalini
von den FCW-Frauen hatte mit ihren Teamkolleginnen einen Auftritt am Tanzfest.
Ein Biber, der stark in die Landschaft eingreift, hält die GemeindeNeftenbach auf Trab.
Rundgang Als Treffpunkt ist an diesem Montagnachmittag der Werkhof an der Seuzacherstrasse 24 in Neftenbach vereinbart. Sogleich fährt der Brunnenmeister der Gemeinde, Reto Grob, mit einem Piaggio um die Kurve. «Dies ist mein Lieblingswagen», sagt Grob, «er ist klein und agil.» Und schon gehts los in Richtung Dorfausgang Riet. Einige Kurven weiter biegt Grob in einen Feldweg ab. Der Damm kommt in Sicht. «Hier war der Biberdamm viel höher. Da die landwirtschaftlichen Drainagen eingestaut waren, kam es zu einem Rückstau im Wiesenbach», sagt Grob. «Der Boden wurde zu schwer, da er mit Wasser gesättigt war, weshalb die grossen Maschinen nicht mehr eingesetzt werden konnten», sagt Grob.
Zusammen mit der Biberfachstelle des Kantons und nach Einholen einer Bewilligung der Fischerei- und Jagdverwaltung wurde die Dammhöhe reduziert. Damit der Biberdamm nicht wieder zu hoch wird, wurde eine Biberrutsche eingefügt. «Eigentlich ist der Name missverständlich», sagt Grob, «hier rutscht kein Biber herunter.» Vielmehr soll damit der Durchfluss des Wassers ermöglicht werden. «Aber der Begriff hat sich so etabliert.» Grob deutet auf die geschichteten Äste: «Aktuell wohnt kein Biber hier drin.» Dieser habe sich einige hundert Meter im Chrebsbach, zwischen Riet und Seuzach, eingenistet.
«Spätestens im September aber, wird der Biber hier am Wiesenbach wieder anzutreffen sein, denn dann wachsen die Zuckerrüben, die er so gerne mag.» Der Baumeister wird als Erstes den Leerraum füllen, und somit kommt der Gemeindearbeiter ins Spiel: «Wir werden laufend die Äste aus der Biberrutsche entfernen.» Und die Landwirte werden mit einem Elektrozaun versuchen, Fressschäden zu reduzieren. «Wir haben viele Akteure: die Landwirte, die Fischerei- und Jagdaufseher, aber auch die Gemeinde», sagt Grob. Wenn ein nachweisbarer Schaden entsteht, werden die Kosten laut Grob vom Kanton zurückerstattet, deshalb dokumentiere die Gemeinde sorgfältig alle Schäden und Massnahmen. Erstellungskosten des Biberdamms beliefen sich laut Grob auf rund 500 Franken.
«Ich persönlich finde den Biber ein Riesengewinn», sagt Grob. «Biber sind echte Baumeister. Es wäre schön, ihm mehr Platz zu gewähren, aber es gilt, viele Interessen zu berücksichtigen.» Der Biber schaffe neue Lebensräume und sei Treiber der Biodiversität. «Hier finden Spezialisten neuen Lebensraum, zum Beispiel Pflanzen, die es vertragen, mal an einem trockenen, mal an einem nassen Standort zu leben.» Grob geht gerne auf Beobachtungstour. «Ich achte auf Spuren, die der Biber hinterlässt.»
Claudia Naef Binz
NachgefragtWenn es um den Biber geht, ist Caroline Nienhuis eine gefragte Expertin.
Sie ist die Leiterin der Biberfachstelle des Kanton Zürich und war am Projekt in Neftenbach beteiligt. Sie gibt Auskunft zum Projekt.
Der Damm führte zu einem Rückstau im Wiesenbach, wodurch die landwirtschaftlichen Drainagen eingestaut waren und nicht mehr richtig funktionierten. Deshalb wurde der Biberdamm abgesenkt.
Je nach Gewässer ist die Zuständigkeit unterschiedlich. Bei Flüssen ist das Amt für Abfall, Wasser Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL) zuständig. Bei kleineren Gewässern sind Gemeinden oder Flurgenossenschaften verantwortlich. Im Fall des Wiesenbachs war es die Gemeinde Neftenbach, diese kam auf uns zu.
Nein, das kommt ganz selten vor.
Dies ist ein übliches Projekt, wie wir es in Dutzenden Fällen im Kanton durchführen. Für die Gemeinde kann die Installation und der Unterhalt der Biberrutsche teils aufwändig sein.
Da der Biber ein geschütztes Tier ist, brauchte es eine Bewilligung von der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kanton Zürich.
Der Biber vermag als einzige einheimische Art seinen Lebensraum derart zu gestalten. Viele Pflanzen- und Tierarten hängen von seiner Gestaltungskraft ab. Dies wurde vor Jahrzehnten erkannt und war einer der Gründe, weshalb das Tier wieder angesiedelt wurde
Es entstehen einige Konflikte wegen der Gestaltungskraft des Bibers. Um die Konflikte zu lösen, betreiben wir aktives Bibermanagement und suchen Lösungen mit allen Beteiligten.
Der Biber ist eine Schlüssel-Art, das heisst, er bringt eine grosse Dynamik hinein und schafft naturnahe Gewässer. Dies wirkt sich positiv auf die Biodiversität aus.
Der Biber kann fast überall leben, wo es Wasser hat, selbst in breiten Flüssen mit grosser Fliessgeschwindigkeit, ausser in steilen Bergbächen.
Interview: Claudia Naef Binz
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