Beni Thurnheer
schreibt für die WIZE jede Woche eine Fussball-WM-Kolumne.
Orte des Wohlbefindens und Wissens, Inspirationsquellen und Gemeinschaftszentren: All dies sind öffentliche Bibliotheken im Kanton Zürich.
Wirkungsvoll Dass Bibliotheken Wissen vermitteln, ist bekannt. «Die Bibliotheken sind jedoch viel mehr als nur eine Ausleihe für Bücher und Medien», sagt Franziska Baetcke, Leiterin der Winterthurer Bibliotheken. «Es sind Orte, wo man einfach sein kann.»
Alle dürfen jederzeit die Zeitschriften und Bücher im Haus nutzen. «Es muss sich niemand hineinschleichen, es ist voll OK, das Angebot ohne Abo zu nutzten», sagt sie. Erst für eine Ausleihe ist dann ein solches erforderlich.
Die öffentliche Diskussion über Bibliotheken konzentriert sich typischerweise auf einige wenige Kennzahlen wie Anzahl Nutzende oder ausgeliehene Medien.
Im Jahr 2023 zählten die Bibliotheken in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik insgesamt rund 46,3 Millionen Besucher in ihren Räumlichkeiten. Im Kanton Zürich betrugen die Besuche 2023 10,8 Millionen.
In Winterthur waren es 2024 laut Baetcke rund 500 000, erfasst wurden die Eintritte mit einem Zähler, die Zahl wurde anschliessend bereinigt. Rund 22 000 Personen verfügten über ein Abo der Winterhurer Bibliotheken.
«Wir wollten jedoch weg von den üblichen Kennzahlen und stattdessen die breite Wirkung der Bibliotheken aufzeigen», sagt Baetcke. Deshalb gaben die Winterthurer Bibliotheken, die PBZ Pestalozzi-Bibliothek Zürich und die Regionalbibliothek Adliswil eine Studie bei der ZHAW in Auftrag.
Die Daten der Studie wurden zum einen direkt an einzelnen Standorten der beteiligten Bibliotheken erhoben. Zum anderen wurden eine Online-und eine Telefon-Befragung unter Einwohnerinnen und Einwohnern des Kantons Zürich durchgeführt, um auch Nicht-Nutzer zu erreichen.
Über diese ist nun bekannt, dass sie mehrheitlich über 50 Jahre alt (78%) und männlich sind, mit Kindern über 16 Jahren (59%).
Bei den Personen, die das Angebot von Bibliotheken in Anspruch nehmen, sind laut Studie 31,8% männlich, 66,8% weiblich, 1,4% divers. «In Winterthur zählen Familien mit kleinen Kindern zu den fleissigen Besuchern», sagt Baetcke.
Bibliotheksnutzende im Kanton Zürich betrachten laut Studie die öffentlichen Bibliotheken im Kanton Zürich als wichtigen Teil ihres Lebensraums, in dem sie sich wohl fühlen und sich neues Wissen und Informationen aneignen können.
Für viele Bibliotheksnutzende tragen die öffentlichen Bibliotheken im Kanton Zürich auch zur Entwicklung von Kreativität und zur Stärkung der lokalen Gemeinschaft bei.
In der Stadtbibliothek lässt sich mit 3D-Druck oder Laser-Cutter experimentieren, es gibt ein Bild- und Tonstudio. «Mittels Programmierkenntnissen lässt sich sogar ein Roboter auf eine Reise schicken», sagt die Bibliotheksleiterin. Das Personal der Bibliothek ist dabei gerne behilflich. «In der Bibliothek lässt sich ungezwungen in kreative Techniken reinschnuppern.»
Was laut Baetcke bei der Studie überrascht hat, ist, dass zwei weitere Dimensionen genannt wurden. Die Befragten erwähnten die Haptik, also das Befühlen-Können der Medien. «Bibliotheken sind Orte, wo Dinge nach wie vor physisch erlebt werden, als Abwechslung zur digitalen Welt.»
Die Nachhaltigkeit wurde ebenfalls genannt. «Die Leute finden es gut, zu einem günstigen Preis die Medien zu nutzen, aber sie schätzen es auch, Medien zu teilen, also den Sharing-Gedanken zu leben», sagt Baetcke. Besonders freut sie sich über die vielen positiven Rückmeldungen. «Es berührt uns, dass wir im Leben von so vielen Menschen eine wichtige Rolle spielen.»
Claudia Naef Binz
www.winbib.ch
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