Sol Bufalini
von den FCW-Frauen hatte mit ihren Teamkolleginnen einen Auftritt am Tanzfest.
Das Tram taucht in regelmässigen Abständen als Traum in Winterthur auf.
Regelmässig taucht in der Winterthurer Verkehrspolitik der Traum vom Tram auf. Eine Studie soll nun Antworten liefern.
Verkehr Aktuell fährt in Winterthur nur ein Tram, das Rössli-Tram in der Adventszeit. Geht es aber nach der GLP, soll künftig wieder ein Tram auf Schienen durch Winterthur fahren. Das Stadtparlament hat den Ball dazu dem Stadtrat zugespielt. An der letzten Sitzung hat das Parlament dem Stadtrat den Auftrag erteilt, eine Vertiefungsstudie für eine schienengebundene ÖV-Strategie zu entwickeln. Ohne Scheuklappen sollen alle Optionen geprüft werden, auch ein Tram. Alle Parteien ausser der SVP stimmten der Studie zu.
Dass die meisten Parteien einer Vertiefungsstudie zugestimmt haben, zeigt, wie gross der Druck auf den ÖV ist. Das aktuelle Bussystem kommt heute regelmässig an seine Kapazitätsgrenze, und dies wird sich noch verschärfen. Laut Prognosen der Stadt dürfte sich die Zahl der Passagiere von 30 Millionen im Jahr 2023 auf 67 Millionen bis 2050 mehr als verdoppeln. Gleichzeitig hat die Stadt das Ziel, den motorisierten Individualverkehr (MIV) von heute 42 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2040 zu reduzieren. Der ÖV-Anteil am Gesamtvekehr soll bis dahin um ein Drittel wachsen. Könnte ein Tram also Erleichterung schaffen?
Die GLP ist die Mutter der Tram-Idee. Regelmässig bringt sie dieses Verkehrssystem auf das politische Parkett. Bereits 2012 schrieben die Grünliberalen in einem Postulat im Hinblick auf den wachsenden Verkehr: «Das einzige bewährte öffentliche Verkehrsmittel, welches eine deutliche Kapazitätssteigerung gegenüber dem Bus ermöglicht, ist das Tram.» Dieser Ansicht ist die GLP noch heute. Aber: «Für ein Tramtrassee hat die Stadt in den letzten Jahren bereits viel verbaut, etwa mit der Grüze-Überquerung», sagt Annetta Steiner, Co-Präsidentin der Grünliberalen. Beim ÖV nur auf den Bus zu setzen, sei aber keine Option.
«Es muss etwas passieren. Die Fragestellung muss sein, wie viele Personen in den nächsten 30 Jahren transportiert werden müssen und vor allem, wie die Feinverteilung funktioniert», so Steiner. Dabei gebe es mit dem Glattal oder dem Limmattal positive Beispiele, die für ein Tram sprechen: «Für mehr Arbeitsplätze braucht es ein wesentlich verbessertes ÖV-System», so Steiner. Grosses Potenzial sieht sie bei einer Stadtbahn auf dem Netz der SBB mit dem Ausbau der S-Bahnhöfe. Eine Stadtbahn findet auch die FDP einen interessanten Ansatz, wie Parlamentarier Raphael Perroulaz sagt. «Insbesondere die bessere Vernetzung der zehn Stadtbahnhöfe könnte für die Groberschliessung der Stadt eine Chance darstellen. Voraussetzung wäre allerdings, dass auf dem bestehenden Netz auch tatsächlich ein genügend dichter Takt möglich ist. Ob die dafür nötigen Kapazitäten vorhanden sind, müsste zusammen mit der SBB sorgfältig geprüft werden. Eine solche Lösung könnte zudem lediglich dann funktionieren, wenn sie gut mit dem städtischen ÖV für die Feinerschliessung verknüpft wird.» Einem Tram steht die FDP skeptisch gegenüber. «Ein Tram ist grundsätzlich ein leistungsfähiges und urbanes Verkehrsmittel. Für Winterthur stellt sich aber die Frage, ob sich ein solches System unter den engen räumlichen Verhältnissen überhaupt sinnvoll realisieren lässt – ohne andere Verkehrsträger stark zu verdrängen oder massive Eingriffe in den Stadtraum auszulösen.»
Um das Verkehrsproblem in Zukunft zu lösen, geht die FDP noch einen Schritt weiter. «Für Winterthur denkbar sind als Ergänzung zu Stadtbus ein urbanes Seilbahnsystem wie zum Beispiel in Paris oder Medellín, Kolumbien, eine Shuttlebahn/Stadtbahn auf dem bestehenden SBB-Netz oder in ferner Zukunft vielleicht ein Metro-System», so Perroulaz.
Hinter der Stadtbahn steht auch Die Mitte. Stadtparlamentarier und Stadtrat in spe, Andreas Geering, sagt: «Wir fordern seit zehn Jahren immer wieder eine Stadtbahn oder innerstädtische S-Bahn auf dem SBB-Netz.» Ergänzend solle es im Busnetz Tangentiallinien geben. Also Linien, die Quartiere miteinander direkt verbinden, ohne dass über den HB gefahren werden muss, gar mit allfälligem Umstieg. Dass hingegen künftig ein Tram in Winterthur fährt, findet er wegen den engen Platzverhältnissen unrealistisch. «Einen Abriss von ganzen Häuserzeilen, um Platz zu schaffen für ein Tramtrassee, sehen wir als ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll an», so Geering.
Alex Würzer von der EVP hat durchaus Verständnis für den Traum vom Tram, aber wegen der engen Platzverhältnissen wenig Hoffnung. Handlungsbedarf bestehe aber trotzdem: «Wir müssen unbedingt den Modalsplit zugunsten von ÖV und Langsamverkehr verbessern – alles andere führt zu einem Verkehrskollaps.» Auch die EVP hat die Vertiefungsstudie unterstützt. «Man muss jetzt alle möglichen und aktuell noch unmöglich erscheinenden Massnahmen prüfen.»
«Der Bus ist derzeit das passende ÖV-System», sagt SP-Stadtparlamentarierin Livia Merz. «Wichtig sind uns Ausbau, Priorisierung und Qualität – nicht ein Systemwechsel um jeden Preis.» Für ein Tram seien die Platzverhältnisse zu knapp – «und für eine Stadtbahn ist das jetzige Bahnnetz wohl schon zu stark ausgelastet.» Nichtsdestotrotz sei es jetzt wichtig, eine Gesamtschau zu machen und die Optionen ergebnisoffen zu prüfen. Die Tür für ein Tram machen die Grünen wieder ein Stück weit auf. In den letzten Wochen haben sie für ein visionäres Ring- und Einbahnsystem für den MIV in Winterthur geworben, wie es Grossstädte wie Barcelona oder Paris kennen. «Damit wäre es auch möglich, auf den Hauptachsen wieder Trams einzuführen – und zwar ohne, dass Gebäude abgerissen werden müssten», sagt Reto Diener. Die Grünen seien offen gegenüber allen Ansätzen. «Insbesondere betrachten wir das Potenzial der S-Bahnhöfe für ausgebaute innerstädtische Verbindungen durchaus intakt», so Diener. Aber: «Ohne deutliche Reduktion des vor allem privaten MIV bleiben alle Massnahmen Kosmetik.
Sandro Portmann
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