Beni Thurnheer
schreibt für die WIZE jede Woche eine Fussball-WM-Kolumne.
Die IG Campingplatz und ihre Sympathisanten waren am Sonntag in Feierlaune.
Die Bevölkerung hat andere Pläne mit dem Campingplatz als die Stadt. Wie weiter?
Abstimmung Ist das Nein zu den Campingplatz-Plänen der Stadt auch ein Nein zum Campingplatz überhaupt? Für Stadtrat Kaspar Bopp ist das so. Er sagt nach der Abstimmung auf Anfrage: «Aktuell gehen wir davon aus, dass das Nein gleichbedeutend ist mit dem Ende des Campierens beim Schützenweiher. Nach unserem heutigen Kenntnisstand kann der Campingplatz mit tieferen Investitionen nicht wirtschaftlich betrieben werden.» Es gebe zudem keine rechtliche Möglichkeit, Dauercampieren weiterhin zu ermöglichen. «Der Stadtrat wird die Situation nun zuerst analysieren. Danach kann das weitere Vorgehen inhaltlich und zeitlich neu aufgegleist werden.»
Die Stimmbevölkerung hat am Sonntag Nein zu den Plänen der Stadt beim Campingplatz gesagt. Die Stadt wollte den Campingplatz für 6,9 Millionen Franken Sanieren, weitere 1,5 Millionen hätte der TCS investiert, der den Campingplatz künftig betrieben hätte. Schnell formierte sich aber Widerstand. Winterthur brauche kein «Luxuscamping», fanden die Gegner und es sei auch nicht die Aufgabe der Stadt.
Auf der gegnerischen Seite wird das Nein der Bevölkerung anders interpretiert. «Eine Schliessung ist absurd», sagt Jean-Pierre Wollenschläger. Er orchestrierte die Abstimmungskampagne der Gegner und ist Sprachrohr der IG Camping am Schützenweiher. «Der Stadtrat kann nicht 18 Monate lang betonen, wie wichtig der Campingplatz für Winterthur ist, und nach der Abstimmung dann den Rückbau und die Stilllegung beschliessen.»
Auch ein Rückbau kostet. Laut einem städtischen Gutachten würde eine Stilllegung die Stadtkasse mit rund zwei Millionen Franken belasten. «Mit diesem Geld könnte der Campingplatz bequem nach den Bedürfnissen der Touristinnen und Touristen saniert werden», sagt Wollenschläger. Es ginge aber auch mit deutlich weniger. Für eine sanfte Sanierung würden laut IG Camping 500 000 Franken bis zwei Millionen Franken reichen. Sogar ein Ausbau um weitere 30 bis 40 Stellplätze wäre damit möglich.
Geht es nach der IG brauche es gar nicht mehr. Dass die Leute mit dem Campingplatz grundsätzlich mehr als zufrieden sind, zeigen die vielen Onlinebewertungen. Der Campingplatz weist jährlich rund 22 000 Logiernächte aus. «Ich denke nicht, dass Winterthur Tourismus glücklich wäre, wenn diese wegfallen», so Wollenschläger. Zudem könnte die Campingplatzschliessung auch zu einem uferlosen Wildcampen führen. «Bei besonderen Anlässen wie den Musikfestwochen, Afropfingsten oder Veranstaltungen in den Eulachhallen haben wir bis zu 600 Personen mit Wohnmobile, Kleinbusse und Vans auf dem Campingplatz. Wenn die Möglichkeit wegfällt, werden diese in den Quartieren und in den Winterthurer Naherholungsgebieten», befürchtet Wollenschläger.
Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung. Die AL und die IG Camping bereiten derzeit eine neue Initiative vor. Diese fordert, dass beim neuen Campingprojekt auf dem Schützenweiher mindestens ein Drittel der Fläche für alternative Wohnformen vorgesehen ist. Derzeit wird die Initiativtext bei der Staatskanzlei geprüft. «Nach dem heutigen Entscheid fordert die AL, dass der Stadtrat in seiner neuen Zusammensetzung seinen konfrontativen Kurs gegen die Bewohner:innen des Campings Rosenberg und des Wagenplatzes Frostschutz aufgibt», meldet sich AL-Kantonsrat Manuel Sahli im Nachgang zu Wort. Nun brauche es eine pragmatische Lösung.
Zu den Abstimmungs-Verlierern gehört auch der TCS. «Wir bedauern den Ausgang der Abstimmung. Wir haben uns damals beworben, weil wir vom Standort Winterthur überzeugt waren», sagt Mediensprecherin Vanessa Flack.
Sandro Portmann
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