Beni Thurnheer
schreibt für die WIZE jede Woche eine Fussball-WM-Kolumne.
Freie Turnhallen sind in Winterthur Mangelware.
Seit Jahren sind die Turnhallen der Stadt voll ausgelastet. Die Rede ist von zehn fehlenden Sporthallen. Die Stadt verfolgt verschiedene Ansätze.
Städtebau In der Stadt Winterthur gibt es 50 Turnhallen (4 Doppelhallen, 2 Dreifachsporthallen und 44 Einfachhallen) und doch sind sie Mangelware. Sportvereine und Schulen kämpfen um die freien Hallenplätze. Laut dem Bundesgesetz müssen Schülerinnen und Schüler pro Woche drei Lektionen Sport absolvieren. Das ist in Winterthur eine Herausforderung. «Bereits heute fehlen über das gesamte Stadtgebiet zehn Sporthallen, inklusive Sonderschulen und Berufsvorbereitung, damit alle obligatorischen Sportlektionen in einer Halle durchgeführt werden könnten», sagte Stadtparlamentarier André Zuraikat (Die Mitte) kürzlich in der Parlamentsdebatte.
Die Nachfrage nach schulergänzender Betreuung habe in diesem Zusammenhang massiv zugenommen, «was konsequenterweise dazu führt, dass die Sporthallen über Mittag, am schulfreien Mittwochnachmittag und am Abend bis 18 Uhr belegt sind.» Betroffen ist aber auch das Vereinsleben. «Die Sportvereine leiden unter dem Platzmangel», so Zuraikat. Seit Jahren lege die Stadt in jeder Budgetdebatte dar, dass die Hallenbelegung zwischen 98 und 99 Prozent liege. Zuraikat sieht die Schuld für den Mangel aber nicht bei der Verwaltung oder der Politik. «Es liegt nicht daran, dass die Stadtverwaltung oder das Stadtparlament nichts tun. Es gibt nun mal Faktoren wie das Bevölkerungs- und Schülerinnen- und Schülerwachstum, die wir auf städtischer Ebene nicht beeinflussen können.»
Die Stadt ist daran, diese Lücke im städtischen Turnhallennetz zu füllen. Aktuell befinden sich vier Sporthallen (Aussenwacht, Langwiesen, Steinacker, Laubegg) in der Projektierung, das heisst, der Projektierungskredit wurde bereits durch den Stadtrat, beziehungsweise vom Stadtparlament bewilligt. Eine zusätzliche Doppelhalle entsteht in der Sulzerallee. Das Parlament hat an seiner Sitzung vom 7. April den Mietvertrag genehmigt. «Die Planung von zwei weiteren Sporthallen wird noch dieses Jahr beim Parlament beantragt», sagt Stadträtin Martina Blum, Departement Schule und Sport auf Anfrage. Diese Pläne versprechen Erleichterung, doch sie bergen Unsicherheiten. «Es gilt zu beachten, dass die erfolgreiche Umsetzung der Bauvorhaben von vielen Faktoren abhängt; unter anderem vom gesamtstädtischen Investitionsbedarf, personellen Ressourcen, verfügbaren Flächen sowie der Bewilligung und zeitlichen Abhängigkeiten zu laufenden Bauvorhaben», so Blum. Die Stadt hat aber einen Plan B. Parallel zu den Bauprojekten versucht sie, sich in geeigneten Gebäuden einzumieten oder sucht Kooperationen mit privaten Sportanlagen-Betreibern. Mit Sportlektionen im Freien – etwa im Wald, auf Spielwiesen oder im Freibad – hat die Stadt im Sommer eine weitere Möglichkeit, die obligatorischen Sportstunden durchzuführen.
Entscheidend für die Planung neuer Turnhallen ist die Lage, wie Stadträtin Blum sagt. «Die grösste Schwierigkeit besteht darin, dass sich die Sporthallen nicht zu weit entfernt von den Unterrichtsräumen befinden dürfen, da sonst zu viel Unterrichtszeit für den Weg verloren geht. Im Zentrumsgebiet ist die Grundstücksuche extrem schwierig.» Deshalb versuche die Stadt vor allem auf bestehenden Schularealen die Hallenkapazität zu erweitern. Bauen im Bestand, wie dies im Fachjargon heisst, ist aber komplex und führt zu höheren Kosten als beim Bauen auf der grünen Wiese.
Der Platzmangel ist längst zum Politikum geworden. Winterthurer Politiker sind mit einem Postulat an den Regierungsrat getreten. Darin fordern sie, unterschrieben von allen Parteien, dass der Kanton die Regeln für die Nutzung von kantonalen Sportanlagen anpasst, damit diese ausserhalb der Unterrichtszeiten genutzt werden können, ganzjährig und während sieben Tagen pro Woche. Für Vereine sei es in der Stadt schwierig, genügend Hallenflächen für die Trainings zu finden. «Die Möglichkeiten der kommunalen Hallen sind vielfach ausgelastet, weshalb die Nutzung von Sportanlagen der kantonalen Mittel- und Berufsschulen eine grosse Entlastung für die Organisation von Vereins-Trainingseinheiten wäre», heisst es im Postulat.
Der Zürcher Regierungsrat sieht jedoch kaum Möglichkeit, Hand zu bieten, wie er im Dezember 2024 als Antwort schreibt. Bereits heute würden rund 90 Prozent der von Mittel- und Berufsfachschulen betriebenen Sporthallen ausserhalb der Unterrichtszeiten an Externe zur Verfügung gestellt. «Eine weitere Ausdehnung ist nicht möglich», heisst es in der Antwort. Mögliche Optimierungen würden geprüft. Das Postulat wird voraussichtlich in den nächsten Wochen im Kantonsrat diskutiert.
Sandro Portmann
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