Stefan Fritschi
duelliert sich gegen Kaspar Bopp um das Amt des Stadtpräsidenten.
Die Stadt blockiert ihre Turnhallen und Bunker. Für Gruppen wird das Übernachten zu günstigen Tarifen verunmöglicht.
Absage Winterthur ist europäische Narrenhauptstadt 2026. Zur Fasnacht vom 20. bis 23. Februar mit Guggenumzug am Samstag und grossen Umzug am Sonntag erwartet die Winterthurer Fasnachtsgesellschaft Fakowi auch zahlreiche auswärtige Fasnachts- und Musikgruppen – teilweise auch solche aus dem Ausland. Diese berappen ihre Reise selbst, budgetfreundliche Übernachtungen sind darum gefragt. Fakowi-Präsident Andreas Kappeler wurde deshalb bei der Stadt vorstellig, wie er sagt: «Wir fragten um eine Turnhalle oder andere städtische Räume für ein Massenlager an. Selbstverständlich würden wir mit den entsprechenden Gruppen die Reinigung oder daraus entstehende Kosten übernehmen.» Zu seiner Enttäuschung lehnte die Stadt jedoch ab. Aber weshalb? Die «WIZE» hat bei den beiden zuständigen Stadträtinnen Martina Blum (Departement Schule und Sport, DSS) und Katrin Cometta (Departement Sicherheitund Umwelt, DSU) nachgefragt.
Martina Blum verweist darauf, dass in der Vergangenheit ihr Departement bei entsprechenden Anfragen jeweils auf die Unterkunftsmöglichkeit in der Anlage Teuchelweiher verwiesen hat, da dieses Gebäude für Übernachtungen von Gruppen konzipiert ist. «Nachdem diese Anlage vor allem für ukrainische Menschen mit Fluchthintergrund genutzt wurde, hat das DSS Turnhallen für Übernachtungen bei Grossanlässen teilweise freigegeben», schreibt Blumweiter. Die Erfahrungen seien aber oft negativ ausgefallen, wegen Verunreinigungen von Halle, Turnmatten, Essensresten und Abfällen. Zudem sei zu beachten, dass sich die Turnhallen inmitten von Wohnquartieren befinden, was zu Problemen bezüglich Lärmbelästigungen führte, weshalb entschieden wurde, die Turnhallen für Gruppen nicht mehr zur Verfügung zu stellen.
Negativ tönt es auch aus Katrin Comettas Departement. Auch wenn die Stadtgrosses Verständnis für das Anliegen des Fakowis habe, sei sie an klare gesetzliche und sicherheitsrelevante Vorgaben gebunden, heisst es in einer Stellungnahme. So seien im Kanton Zürich ausserhalb von Zivilschutzübungen und der Belegung als Not-oder Asylunterkünfte keine Nutzungen möglich.
Dass die Stadt den Fasnächtlern keine günstige Übernachtungsmöglichkeit bieten will, macht die Runde. So meint der ehemalige Winterthurer Stadtammann und begeisterte Fasnächtler Roli Isler: «Die Begründung des zuständigen Departementes, dass städtische Schutzräume nicht an Private vermietet werden dürfen, ist für mich nicht ganz nachvollziehbar. Es ist mir klar, dass Schutz & Intervention, auf Grund der gesetzlichen Grundlagen, für eine Vermietung an Private skeptisch ist. Die Bestimmungen lassen es aber zu, Ausnahmen zu bewilligen, was ja ab und zu schon erfolgt ist. Eine andere und für mich prioritäre Möglichkeit wäre die Unterbringung in Turnhallen. Diese verfügen über sanitarische Einrichtungen und sind ohne grossen Aufwand zu beziehen. Die Fasnachtsgruppen sind bezüglich Übernachtungskomfort bescheiden. Mitgebrachter Schlafsack mit Matte in einem geheizten Raum – ideal. Reinigungskosten und die Aufsicht würde das Fasnachtskomitee sicher übernehmen. Die Benützer müssten auch einen entsprechenden Betrag für die Übernachtung bezahlen. Die Turnhallen Schönengrund und Lind Nord (Nähe Altstadt) wären auch sehr gut gelegen, da sich diese nicht direkt in einem Wohnquartier befinden. Es war bis heute auch üblich, dass bei Grossanlässen in Winterthur (Turnfest, Schützenfest, Jodelfest, etc.) die Stadt Turnhallen immer zur Verfügung gestellt hat. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Mit etwas Goodwill wäre es sicher möglich, für die älteste Grossveranstaltung in der Stadt Winterthur Lösungen zu finden. Ich hoffe sehr, dass die zuständigen Departemente ihre Entscheide nochmals überprüfen.»
Ähnlich tönt es bei Kantonsrat Dieter Kläy: «2026 ist Winterthur «Närrische Europäische Kulturstadt». Der Titel wird jährlich an eine europäische Stadt verliehen, die sich durch ihr besonderes Engagement zur Bewahrung und Förderung der närrischen Traditionen auszeichnet. Dass dieser Titel jetzt an die Eulachstadt geht, ist ein grosser Erfolg des seit 1939 engagierten Winterthurer Fasnachtskomitees und würdigt dessen Leistung ganz besonders. Umso irritierender ist die Tatsache, dass die Stadt den verschiedenen Guggenmusiken und Fasnachtsgruppen bei der Unterkunftssuche keine Unterstützung bieten kann. Die Öffnung einer Turnhalle für eine bis zwei Nächte müsste doch möglich sein.» gs
George Stutz
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