Sol Bufalini
von den FCW-Frauen hatte mit ihren Teamkolleginnen einen Auftritt am Tanzfest.
«Politische Unabhängigkeit ist für uns keine Floskel», sagt Yves Kilchenmann, CEO der Interact Media Group AG.
Die neuen Besitzer der WIZE haben eine klare Haltung zum lokalen Journalismus.
Medienlandschaft Es rauscht im Blätterwald. Die Meldung, dass alt Bundesrat Christoph Blocher seine 22 Lokalzeitungen verkauft hat, sorgte für mediales Aufsehen. Käuferin ist die Interact Media Group AG, die mit nau.ch ein renommiertes, nationales Onlineportal betreibt. Der Kauf ist ein starkes Zeichen für den Lokaljournalismus und für die Printzeitung, wie Yves Kilchenmann, CEO der Interact Media Group AG, im Interview sagt.
Die Interact Media Group (IMG) hat die 22 Titel der Zeitungshaus AG von alt Bundesrat Christoph Blocher gekauft und damit auch die Winterthurer Zeitung. Können Sie sich kurz als Verleger vorstellen: Wer steckt hinter der IMG?
Yves Kilchenmann: Die Interact Media Group AG ist ein 2007 gegründetes Unternehmen mit digitalen Wurzeln aus Bern. Wir betreiben nau.ch, eine der meistgenutzten digitalen Nachrichtenplattformen der Deutschschweiz, und verfügen über ein eigenes Werbe- und Technologienetzwerk. Wir sind also kein klassischer Medienkonzern aus dem Printbereich, der digital nachrüstet – sondern ein Digitalunternehmen, das den umgekehrten Weg geht und den Wert etablierter Printmarken erkennt und nutzen will. Mit dem BärnerBär haben wir vor einem Jahr erste Print-Erfahrung gesammelt. Die Übernahme der Zeitungshaus AG ist der konsequente nächste Schritt.
Meist greifen die Printprodukte nach Online und wollen in diesem Bereich wachsen. Nun ist es umgekehrt. Warum erweitern Sie ihr Online-Portfolio mit Printzeitungen?
Weil Vertrauen nicht auf dem Reissbrett entsteht. Die Winterthurer Zeitung und die anderen Titel der Zeitungshaus AG haben über Jahrzehnte eine Beziehung zu ihren Leserinnen und Lesern aufgebaut, die kein digitales Start-up einfach replizieren kann. Wir bringen die digitale Infrastruktur und Reichweite – die Titel bringen die Verwurzelung. Diese Kombination ist einzigartig und genau das, was wir suchen.
Sie glauben also an die Zukunft von Print?
Ja, absolut. Nicht Print um jeden Preis – aber Print, der lokal relevant, inhaltlich stark und wirtschaftlich nachhaltig aufgestellt ist. Regionale Gratiszeitungen, die wirklich in der Gesellschaft verankert sind, haben eine Zukunft. Davon sind wir überzeugt.
Wenn Zeitungen in den Schlagzeilen stehen, geht es meist um den Abbau von Stellen oder Inhalten. Wird es auch mit bei dieser Übernahme zu einem Abbau kommen?
Nein, das ist nicht geplant. Wir übernehmen die Zeitungshaus AG, weil wir in diese Titel investieren wollen – nicht um sie auszudünnen. Die Menschen, die diese Zeitungen täglich machen, sind der Kern des Ganzen. Ohne sie gibt es keine Qualität und keine Glaubwürdigkeit.
Mit alt Bundesrat Christoph Blocher hatte die Winterthurer Zeitung einen Verleger aus der Politik. Eine Parteizeitung war aber nie sein Wunsch. Die Winterthurer Zeitung berichtet politisch unabhängig und sieht sich als Spiegel der Gesellschaft. Bleibt diese Haltung bestehen?
Unbedingt. Politische Unabhängigkeit ist für uns keine Floskel, sondern Voraussetzung. Die Winterthurer Zeitung ist ein Spiegel der Gesellschaft in Winterthur – und das soll sie bleiben. Wir haben kein Interesse an einer Parteizeitung und werden keinen Einfluss auf die redaktionelle Haltung nehmen. Die Redaktion arbeitet autonom.
Die WIZE ist eine Gratiszeitung. Bleibt das so oder müssen die Leserinnen und Leser künftig ein Abo bezahlen, um über Winterthur und die Region informiert zu bleiben?
Ja. Das Modell der kostenlosen Zeitung, finanziert über lokale Werbung und Distributionspartnerschaften, hat sich bewährt und ist Teil der DNA dieser Titel. Daran wird sich nichts ändern.
Was wird sich für die heutigen Leserinnen und Leser ändern?
Im besten Fall: mehr. Mehr Inhalt, mehr digitale Präsenz, mehr Möglichkeiten, die Winterthurer Zeitung auch online zu erleben. Was sich nicht ändern wird: die Nähe zur Stadt, zur Region, zu den Menschen. Das ist der Kern – und den schützen wir.
Der Onlineauftritt der Winterthurer Zeitung wirkt heute etwas verstaubt. Wo sehen Sie hier Potenzial?
Sehr viel. Wir haben mit nau.ch jahrelange Erfahrung im Aufbau und Betrieb digitaler Nachrichtenplattformen. Dieses Know-how wollen wir Schritt für Schritt auch für die Winterthurer Zeitung nutzbar machen – von der Website über Social Media bis hin zu neuen digitalen Formaten. Winterthur verdient eine moderne digitale Heimat für lokalen Journalismus.
Was muss noch gesagt werden? Sie haben das letzte Wort...
Wir treten diese Aufgabe mit grossem Respekt an – gegenüber den Leserinnen und Lesern, gegenüber den Mitarbeitenden und gegenüber der Geschichte dieser Zeitung. Lokaljournalismus ist keine Restgrösse – er ist das Fundament einer informierten Gesellschaft. Und wir freuen uns darauf, dieses Fundament in Winterthur mitzutragen und weiterzuentwickeln.
Interview: Sandro Portmann
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