Chläuse
nahmen am Sonntag die Altstadt in Beschlag.
Die Unterschriften wurden am Dienstag, 26. August, der Verwaltung übergeben.
Das letzte Wort haben die Stimmbürger. Sie entscheiden nun, wie es mit dem Camping am Schützenweiher weitergehen soll. Das sind die Alternativen.
Politik Der Abstimmungskampf ist eröffnet: Am Dienstag, 26. August, hat das Referendumskomitee 2016 Unterschriften gegen den Kredit von 6,9 Millionen Franken für den Neubau des Campingplatzes am Schützenweiher der Stadtverwaltung übergeben. Das Sammelziel von 500 Unterschriften wurde damit deutlich übertroffen. Weitere 1546 Unterschriften richten sich gegen die Neuerschliessung und Strassenverlegung auf dem Areal. «Dies zeigt, dass unser Bündnis auch eine Initiative stemmen kann, sollte dies nötig sein», freut sich das Bündnis aus AL, Juso, den jungen Grünen, dem Wagenplatzkollektiv Frostschutz und der IG Camping. Sie haben drei Forderungen: Sie sprechen sich einerseits gegen einen Luxuscamping aus und fordern einen «Ort, wo alle es sich leisten können, Campingferien zu machen.»
Zweitens wollen sie verhindern, dass die 45 Dauercamper vertrieben werden und nicht zuletzt kritisieren sie den Vertrag mit dem TCS als neuen Mieter. «Mit ihren Plänen für den Schützenweiher subventioniert die Stadt letztendlich den TCS. Wir wollen ein Projekt, das der Winterthurer Bevölkerung einen Mehrwert bietet und nicht dem TCS», heisst es in einer Mitteilung.
Nun kommen die Pläne der Stadt mit dem Campingplatz Schützenweiher also vors Volk. Bei einem Nein der Stimmbevölkerung muss die Stadt wieder über die Bücher. Sie muss aber nicht bei Null anfangen, denn sie hat bereits fünf Varianten geprüft. Über diese wird bei einem Nein an der Urne wohl wieder diskutiert. Die Abstimmung dürfte erst im Juni 2026 erfolgen, da im März 2026 die Stadtrats-Wahlen sind. Wichtig zu wissen: Am 3. September 2026 läuft die aktuelle Pacht ab.
Ein Verkauf kam für die Stadt nie in Frage, nicht zuletzt weil sie damit ihren Einfluss auf die Arealentwicklung verliert. Zwar würde der Verkauf Geld in die Stadtkasse spülen und sie von den Verpflichtungen als Grundeigentümerin befreien, aber: «Die Käuferschaft könnte im Rahmen ihrer Rechte nicht nur das Gelände nach ihren eigenen Vorstellungen entwickeln und bewirtschaften, sondern den Campingplatz auch weiter verpachten oder veräussern», schreibt die Stadt zu dieser Variante.
Laut Stadt wäre ein Rückbau ohne Weiteres möglich. Damit verliert sie zwar Einnahmen aus der Verpachtung, hat im Gegenzug aber auch keine Verpflichtungen mehr – und erhält eine Grünfläche, die gerade im Hinblick auf die Realisierung des Stadtrandparks interessant wäre. «Die Kosten für die Stilllegung und den Rückbau des heutigen Campingplatzes inklusive Instandstellung und Begrünung des Geländes belaufen sich gemäss grober Kostenschätzung auf rund zwei Millionen Franken», so die Stadt.
Am Campingplatz am Schützenweiher nagt unbestritten der Zahn der Zeit. Die Anlage aus den 70er-Jahren muss saniert werden. «Eine umfassende Sanierung des Campingplatzes im bestehenden Zustand (Betriebsgebäude, Sanitäranlagen, weitere Infrastruktur etc.) hat für die Stadt Winterthur Investitionen von rund 4,8 Millionen Franken zur Folge», schreibt die Stadt und verweist bei dieser Grobschätzung auf eine Machbarkeitsstudie. Damit werde aber das Potenzial im Naherholungsgebiet im Zusammenhang mit der geplanten Aufwertung nicht ausgeschöpft. «Zudem dürfte sich die Suche einer künftigen Mieterschaft, mitunter angesichts der beschränkten Platzverhältnisse, schwierig gestalten.» Bei dieser Variante liege das Investitionsrisiko einseitig bei der Stadt Winterthur.
Auch hier befürchtet die Stadt, an Einfluss zu verlieren. «Kommt hinzu, dass die Risiken eines Heimfalls oder Konkurses der Bauberechtigten hoch erscheinen. Somit wäre die Stadt Winterthur ungewollt zur Übernahme der Bauten und Anlagen sowie – angesichts der von der Bauberechtigten getätigten Investitionen – zur Leistung einer erheblichen Heimfallentschädigung verpflichtet», so die Stadt. Sie schreibt aber auch: «Eine Abgabe des bestehenden Campingplatzes im Baurecht erscheint grundsätzlich nicht ausgeschlossen.»
Das ist die von der Stadt bevorzugte Variante. Sie erstellt den Camping im Grundausbau zur Verfügung und vermietet ihn an den TCS. Das kostet die Stadt 6,9 Millionen Franken. Der TCS seinerseits investiert 1,5 Millionen Franken. «Nur bei dieser Variante, mithin wenn der Campingplatz am jetzigen Standort wegfällt, können auch die Projekte Neuerschliessung / Strassenverlegung und Schützenweiher (Uferbereich) sinnvoll realisiert werden», so die Stadt.
«Über diese Varianten möchten wir mit der Stadt vertieft und konstruktiv diskutieren. Die Spannweite deutlich kostengünstigerer Alternativen ist da sehr weit. Vorerst bündeln wir unsere Kräfte und Ressourcen aber auf die Abstimmungskampagne», sagt Walter Fallegger von der IG Camping.
Sandro Portmann
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