Sarina Molinari
hat eine innige Beziehung zu den Songs von ABBA.
Der humanoide Roboter Henrietta ist ganz schön wandlungsfähig. Am 11. April läuft er über den Laufsteg.
NeuheitDas Model der Fashion-Show, Henrietta, reist im rund 35 Kilogramm schwarzen Rollkoffer an, gezogen wird dieser von René Vogel, CEO und Gründer der Firma Mr. Vision.
Der IT-Unternehmer Vogel öffnet den Koffer, hebt ein Knäuel aus Stahl heraus. «Die Beine lassen sich um 320 Grad verdrehen», sagt Vogel, während er die Stahlgelenke entwirrt. Nun liegt der humanoide Roboter, ausgestreckt auf dem Boden. «Sie muss erst aufwachen», sagt Vogel, und fügt die Batterie in der Grösse eines Backsteins in den Rumpf des Roboters ein. «Aufstehen kann sie selber, sie ist ja schon gross.»
Mit einem Ruck erhebt sich der Roboter, der etwa so gross wie ein zehnjähriges Kind ist, und wankt auf die Personen im Raum zu. Vogel beschwichtigt: «Ich werde die ganze Zeit über in der Nähe sein.» In Europa sei es gesetzlich nicht erlaubt, Roboter autonom auf eine Strecke zu schicken. «Dies hat mit juristischen Fragen, vor allem Haftungsfragen, zu tun.»
Erstmals wird ein humanoider Roboter, eben Henrietta, als Model an der Frühlings-Show von Fashion & Classics in Seuzach über den Laufsteg wandeln.
«Zuerst bin ich etwas erschrocken, aber schnell hat mich der Roboter fasziniert.», sagt Jeannette Frauenfelder, Mitinhaberin von Fashion & Classics in Seuzach beim Testlauf. Zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin, Heidi Stutz, hat sie sich für die Frühlingsshow diese Attraktion ausgedacht. Heidi Stutz fügt an: «Wir freuen uns, dass wir mit Henrietta ein solches Highlight an unserer Modeschau haben!»
Henrietta war laut IT-Unternehmer Vogel schon an vielen Veranstaltungen im In- und Ausland anzutreffen. «Einige kennen meinen Roboter besser als mich», sagt Vogel lachend.
Er gerät ins Schwärmen. «Mit dem Roboter bewegen wir uns in die Physical Ai.» Oder anders gesagt: «Ein logischer Prozess wird in die Wirklichkeit, ins Physische übertragen.» So könne ein Roboter nicht nur Listen erstellen, sondern benötigte Produkte gleich selber aus einem Lager holen. Daneben gibt es weitere Anwendungen: «Wir haben festgestellt, dass Roboter in Altersheimen extrem gut akzeptiert werden, denn Roboter haben Zeit und gehen auf die Lebensgeschichten der Betagten ein.»
Zurück zur Modeboutique: Heidi Stutz hat die erste Kleiderkombi mit Rock, Top und Jäckchen bereitgestellt. «Das ist gut, den Rock können wir über den Kopf ziehen» sagt Vogel. Etwas kniffliger wird es beim Top, da dieses über die ausgestreckten Arme eingefädelt werden muss. Als Henrietta fertig bekleidet ist, greift Vogel zur Fernbedienung, worauf sich Henrietta in Bewegung setzt.
Die Boutique-Besitzerinnen sind begeistert und besprechen den Walk, den Henrietta am grossen Tag beschreiten soll. Als zweites Outfit erhält Henrietta Cargo-Shorts und ein Hemd, sie läuft auch einen Durchgang als Mann.
Während René Vogel den Faden wieder aufnimmt: «Vor ein bis zwei Jahren dachten wir noch, dass die Entwicklung der humanoiden Roboter noch ewig dauert, aber jetzt sehen wir, dass diese relativ schnell voranschreitet.»
Spannend sei der Bereich «Tele-Operating», wo mit einer Brille ein Roboter gesteuert werden kann. «So kann jemand die Brille aufsetzen und einen Roboter in einer anderen Wohnung über Kontinente hinweg fernsteuern, zum Beispiel um eine Milchpackung aus dem Kühlschrank zu holen und auf den Tisch zu stellen.» Dies wird an der Modeschau wohl aber nicht gefragt sein. Voraussichtlich werden die Besucherinnen eher auf ein Glas Rotwein setzen.
Claudia Naef Binz
Seuzacher Frühlingsshow
Samstag, 11. April, 11/13/15 Uhr
Fashion & Classics, Obstgartenstrasse 6, 8472 Seuzach
fashionundclassics.ch
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