Stefan Fritschi
duelliert sich gegen Kaspar Bopp um das Amt des Stadtpräsidenten.
Der Igel fühlt sich in der Stadt wohl, vorausgesetzt, er findet hier Verstecke und Nahrung.
Der Igel ist Tier des Jahres 2026. Seit 2022 befindet sich das Tier auf der Roten Liste. Wie geht es dem Igel in Winterthur? Eine Spurensuche.
Biodiversität Unglaublich süss aber bedroht: Der Igel ist seit 2022 als potenziell gefährdet eingestuft und befindet sich auf der Roten Liste der Schweizer Säugetiere. 2024 schlug auch die Weltnaturschutzunion Alarm und hat den Igel als bedrohte Art gelistet. Nun hebt die Pro Natura Schweiz den Igel wieder in den Fokus und macht ihn zum Tier des Jahres 2026. Genauer gesagt den Braunbrustigel, die einzige Igelart in der Schweiz. Als Grund für die Wahl nennt die Naturschutzorganisation eine besorgniserregende Bestandesentwicklung. «Deshalb ruft Pro Natura dazu auf, Gärten, Grünanlagen, Friedhöfe und Parks igelfreundlich zu gestalten und zu pflegen», wie es in einer Medienmitteilung heisst. Das Schöne: Jeder einzelne kann dem Igel etwas Gutes tun.
In Städten wie Winterthur hat sich der Igel sehr gut mit dem Menschen arrangiert. «Da er in der Landwirtschaft kaum mehr Hecken findet, die für ihn besonders wichtig sind, lebt der Igel heute praktisch nur noch im Siedlungsgebiet», sagt Julia Felber von StadtWildTiere, die in Zürich und Winterthur Wildtierforschung betreibt. Mit einer Langzeitstudie hat der Verein StadtNatur die Igelpopulation in der Stadt Zürich erforscht. Die Ergebnisse wurden 2020 veröffentlicht und sie schrecken auf: Die Studie zeigt, dass der Igelbestand innerhalb von 25 Jahren um 40 Prozent abgenommen hat. Allerdings gibt es einen kleinen Lichtblick. So zeigt die Analyse, dass 2024 die Population nicht weiter gesunken ist. Hat sich der Igelbestand also wieder stabilisiert? «Stabilisiert würde ich nicht sagen. 2024 war ein gutes Igeljahr, aber auf keinen Fall lässt sich daraus schliessen, dass sich die Population stabilisiert hat.» Entscheidend sei die weitere Entwicklung. «Der Igel ist noch immer auf unsere Unterstützung angewiesen», so Felber.
Eine vergleichbare Studie gibt es für Winterthur nicht. «Die Studie kann aber gut auf Winterthur bezogen werden», sagt Felber. Und auch Michael Wiesner von Stadtgrün Winterthur schätzt, dass es dem Igel in Winterthur ähnlich geht, wie in der Stadt Zürich. «Der Igel ist für die Stadtökologie ein zentrales Tier. Es geht ihm hier weder viel besser noch viel schlechter als in der Stadt Zürich», sagt er im Gespräch. Im urbanen Raum hat der Igel kaum natürliche Feinde, einzig der Strassenverkehr kann ihm zum Verhängnis werden. Sein Überlebenskampf dreht sich um den Verlust von Lebensraum einerseits und von Insekten als Nahrungsquelle andererseits. «Das Thema Verdichtung ist eine grosse Herausforderung für den Igel», sagt Wiesner. Stadtgrün wirkt dem entgegen und schafft dem Igel wieder Raum und Nahrung. Zum Beispiel mit dem Projekt Stadtwildnis, welches die Biodiversität in der Stadt fördern will. Eines der ersten umgesetzten Projekte befindet sich an der Holzlegistrasse, vis-à-vis vom Friedhof Wülflingen. Auf der ehemaligen Rasenfläche befinden sich neu Ast- und Steinhaufen oder Sandlinsen, die neue Lebensräume schaffen. «Seit vergangenem Herbst machen wir auf unseren städtischen Grünanlagen Laubhaufen, die auch dem Igel Unterschlupf bieten», so Wiesner. Auch die Stadt Winterthur will die Bevölkerung für das Leben der Igel sensibilisieren und lädt anlässlich des Festivals der Natur im Mai zu einer Igel-Exkursion ein. Das genaue Datum ist noch unklar.
500 Gramm sollte ein Igel im Herbst auf die Waage bringen, um den Winter zu überleben. Ist er weniger, bietet die Igelstation in Kollbrunn Hilfe an. Diese wurde 2022 von zehn engagierten Tierschützerinnen gegründet und mit enormer Eigenleistung aufgebaut. Der Betrieb wird ausschliesslich durch Spenden finanziert. Jährlich landen rund 300 Igel auf der Station, im letzten Jahr waren es 370. Ein ehrenamtliches Team aus Igelfachpersonen und freiwilligen Helfern, unterstützt durch einen Tierarzt, kümmert sich um geschwächte, kranke und verletzte Igel. Auch verwaiste Igelbabys werden hier aufgepäppelt. «Alles mit dem Ziel, die Igel schnellstmöglich wieder auszuwildern», sagt Juliette Roder aus dem Vorstand der Igelstation. Die meisten Igel, über 60 Prozent, können wieder ausgewildert werden. Nur ein kleiner Teil überlebt nicht.
Sandro Portmann
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