Chläuse
nahmen am Sonntag die Altstadt in Beschlag.
Ich bin alt geworden. Es war aber nicht das erste graue Haar, das mir dies kürzlich subtil verdeutlichte und auch nicht die Zahl Vier vorne bei meinem Alter, nein, es war eine freundliche Frau am Schalter der SBB. Das kam so: Für die Kinder kaufe ich jeweils Mehrfahrtenkarten am Schalter des Zürcher Verkehrsverbundes ZVV. Bis vor kurzem machte ich das im bekannten Pilz-Konstrukt. Wegen mir hätte der Schalter nicht gezügelt werden müssen, denn für mich lag er ideal auf meinem Nachhauseweg – aber ich muss auch nicht dort arbeiten. Man munkelt, dass für Mitarbeitende im Pilz im Jobprofil neben «Freundlichkeit» auch «Wetterfest» stehen muss. Der Umzug ins Bahnhofsgebäude war da sicher eine Erleichterung. Aber diese Geschichte steht auf einem anderen Blatt geschrieben, nämlich auf Seite 9. Weil für den Umzug der Schalter zwei Tage lang geschlossen war, stand ich damals vor verschlossener Tür. Wo bekomme ich nun meine Mehrfahrtenkarte? Zum Glück kann das auch die SBB, dachte ich und stand schon bald eingereiht in einer langen Schlange im Bahnhofsgebäude. Meine Ticketnummer weiss ich zwar nicht mehr, aber die Zahl war gefühlt fünfstellig. Dann endlich kam ich an die Reihe und die freundliche Frau stellte mir die Tickets mit dem Hinweis aus: «Die Mehrfahrtenkarte können Sie auch selbst an den Ticketautomaten kaufen. Soll ich Ihnen zeigen, wie?» Zack! Das war die Zeitmaschine. In diesem Moment bin ich ein paar Jahre älter geworden. Gerne nahm ich das Angebot aber an und kann mir künftig die Schlange sparen.
Sandro Portmann
Lade Fotos..