Beni Thurnheer
schreibt für die WIZE jede Woche eine Fussball-WM-Kolumne.
Leichter, schneller, besser: Studenten der ZHAW haben zum sechsten Mal einen Rennboliden gebaut. Mit ihm nehmen sie an der Formula Student teil.
Topspeed Die Spannung ist gross, als zwei ZHAW-Studenten das Tuch über dem verhüllten Rennwagen wegziehen. Während acht Monaten haben über 90 Studierende aus verschiedenen Studiengängen einen Rennboliden für die Formula Student gebaut. Es ist der grösste Konstruktionswettbewerb, an dem weltweit über 400 Universitäten teilnehmen. Am Donnerstag, 4. Juni, wurde das Winterthurer Modell in einer ehemaligen Sulzer-Halle auf dem Lagerplatz den Sponsoren und geladenen Gästen vorgestellt. Es trägt den Namen «ZUR06» und es ist der sechste Rennbolide, den das Team «Zurich UAS Racing» der ZHAW konstruiert hat. «Jedes Auto baut wieder auf dem vorherigen auf. Es ist unser Anspruch, jedes neue Auto noch besser zu bauen», sagt Aimee Berns, die seit zwei Jahren mitwirkt und für die Events verantwortlich ist. Und der Fortschritt ist gelungen. Der Akku von «ZUR06» hat 42 Prozent mehr Kapazität und das Gewicht konnten die angehenden Ingenieure um 15 Prozent reduzieren. Für diese Leistung gab es beim Roll-Out grossen Beifall. «Wir können es kaum erwarten, uns mit den besten der Welt zu messen», zeigte sich Lea Schenk, COO von Zurich UAS Racing kämpferisch.
Brachte der erste Rennbolide in der Saison 2019/20 noch ein Gewicht von 350 Kilogramm auf die Waage, so sind es heute gerade mal 215 Kilogramm. Bei der Weiterentwicklung standen drei Entwicklungsbereiche im Fokus: Das Aerodynamikkonzept, der neu konzipierte Antrieb und das Vehicel Control System. Das neue Aerodynamikkonzept ermöglicht eine höhere Kurvengeschwindigkeit. Die neue Carbon-Schalenbauweise erhöht die Modularität und reduziert gleichzeitig das Gewicht. «Besonders der Boden mit Diffusor sowie die neu konzipierten Seitenkästen leisten einen wesentlichen Beitrag zur verbesserten Fahrzeugperformance», heisst es im Bericht dazu. Für den Antrieb sind vier Radnabenmotoren zuständig. Auch hier konnten die Studierenden noch einmal eine Schippe drauflegen. Ebenfalls Neuerungen erfuhr das Vehicle Control System. Dieses ermöglicht es, die Sensordaten in Echtzeit zu überwachen – und das in einer Rekordgeschwindigkeit. «Die Vorgabe des Verbands ist, einen Fehler innerhalb von 500 ms zu erkennen. Wir erkennen in 1,59 ms jeden Fehler», sagt Linus Leuch, Teamleader Electrics.
Dass die Autos aus der ZHAW-Schmiede immer besser werden, zeigt sich auch im Ranking. Landete Zurich UAS Racing in der Saison 2022/23 noch auf Platz 156, so war es 2023/24 bereits Rang 104 und in der vergangenen Saison erkämpfte sich das Team bereits den Platz 83. «Erstmals sind wir in den Top-85», freute sich Schenk bei der Präsentation. «Wir konnten aber eine steile Lernkurve absolvieren.» Welchen Rang dieses Jahr angepeilt wird, kann Berns nicht konkret sagen. «Auf jeden Fall wollen wir eine Verbesserung», wie sie sagt.
Nur eine Handvoll Personen aus dem 90-köpfigen Team dürfen mit dem neuen Rennboliden fahren. Zu teuer sind die Einzelteile. Wer sich in das Highspeed-Gerät setzen darf, das wurde in einem Wettstreit entschieden – und zwar auf dem Go-Kart. Im Temodrom in Winterthur haben sich die interessierten Piloten gemessen. Nur die besten unter ihnen dürfen nun ans Steuer sitzen, darunter Leo Pavlovic. «Es ist das geilste», sagt er über das Gefühl, Formula-Student-Autos zu fahren. Von den Fahrzeugen mit Strassenzulassung gebe es nichts Vergleichbares. Die Formula-Student-Saison startet für das Team aus Winterthur am 9. Juli. Es sind Rennen in der Schweiz, Spanien, Deutschland und Frankreich angepeilt. Am internationalen Ingenieurswettstreit geht es aber um mehr als nur Bestzeiten auf den Rennstrecken. In die Bewertung fliessen auch die Disziplinen Businessplan, Finanzplanung und Engineering Design ein. Jedes der internationalen Teams muss sich zuerst für die Rennen qualifizieren und dafür ist ordentlich Hirnschmalz gefragt. Erst wer bei einem Quiz mit Fragen rund um Engineering und den Rennsport am besten abschneidet, darf auch die Rennen absolvieren. Die grösste Konkurrenz ist der Nachbar, denn bereits seit 19 Jahren nehmen die Ingenieure der ETH an der Formula Student teil. 2019 gelang ihnen sogar der Weltrekord für die «schnellste 0-100 km/h-Beschleunigung eines elektrischen Autos» mit 0.956 Sekunden.
Sandro Portmann
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