Sol Bufalini
von den FCW-Frauen hatte mit ihren Teamkolleginnen einen Auftritt am Tanzfest.
Regisseurin Lilli Fischer kreiert zu Giacomo Puccinis Einakter«Gianni Schicchi» eine rauschende Ballnacht.
Oper«Das sind nur die Statistenkostüme, wobei auch diese wunderschön sind», sagt Opernregisseurin Lilli Fischer und deutet auf einen Kleiderständer. Sie hat sich am Dienstagmorgen vor einer Probe kurz Zeit für ein Gespräch genommen, das in einer Garderobe des Theaters Winterthur stattfindet.
Am 2. Mai steht die Premiere des Stücks «Gianni Schicchi (Eine Ballnacht)» von Puccini auf dem Programm, eine Produktion des Opernhaus Zürich. Ustina Dubitsky dirigiert das Internationale Opernstudio und das Musikkollegium Winterthur durch diesen zweiteiligen Abend.
Das Internationale Opernstudio ist die Talentschmiede des Opernhaus Zürich für junge Musikerinnen und Musiker. «Es sind alles Top-Künstler, Hut ab», sagt die Regisseurin.
Sie selbst fand über ihr Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften sowie der Musikwissenschaft an der Universität Wien zur Oper. Aber in erster Linie sei es die Liebe zur Musik gewesen. «Opernmusik ist für mich wie eine Droge.»
Zu Musik von Giacomo Puccini, Johann Strauss, Franz Lehár, Emmerich Kálmán und Giuseppe Verdi inszeniert die Regisseurin im ersten Teil des Abends eine rauschende Ballnacht rund um den verschwenderischen Buoso Donati. Auch dessen Familiengeflecht beleuchtet Fischer dabei näher. Die Idee dahinter: «Ich wollte der Figur auf den Grund gehen, seine Beweggründe entdecken.»
Laut Fischer ist jedes Opernwerk als «ein konzentriertes Feld von Macht, Begierde und Verletzlichkeit» zu betrachten. «Es geht um menschliche Grundenergien», sagt sie. Wenn jemand nach Macht greife, könne dahinter entweder Begierde stehen – aber auch eine überspielte Verletzlichkeit. «Diese Spannungsfelder zeigen sich ganz besonders beim Erben.» Und genau davon handelt diese Oper.
Fischer nimmt für sich in Anspruch, eine «rigorose Probepraktik» gelernt zu haben. «Das meint vor allem eine grosse Genauigkeit», sagt sie in ihrer quirligen Art. Ausgangspunkt ist für sie immer das Libretto und die Frage, wie die Figuren zueinander stehen und was sie antreibt. «Wir versuchen, Situationen sehr klar zu fassen». Gerade diese Präzision im Probenprozess ermögliche es den Darstellenden, sich frei zu bewegen. «Aus der Disziplin im Probenbetrieb erwächst eine grosse Freiheit.»
Wichtig sind Fischer die enge Zusammenarbeit mit der Dirigentin oder dem Dirigenten – ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit, diesmal mit dem Musikkollegium Winterthur. «Ein Orchester, das mit Bravour zwischen Musikstilen switcht.»
Schon bald beginnt die Probe. Durch ein Labyrinth von Betonwänden führt Fischer in den Zuschauerraum und nimmt am Technikpult Platz. Heute steht der musikalische Teil im Fokus. Dirigentin Dubitsky geht mit dem Orchester die Partitur durch, verweist hier auf ein Crescendo, lässt dort ein paar Takte von den Celli anspielen. Womit gleich zwei junge Frauen um die Dreissig das Zepter bei Inszenierung und Musikalischer Leitung übernehmen. «Das ist toll und keine Selbstverständlichkeit», sagt Fischer «gerade bei einer so grossen Produktion wie dieser.»
Claudia Naef Binz
Giacomo Puccinis Einakter «Gianni Schicchi» endet nicht mit einem tragischen Operntod: Der Leichnam des reichen Buoso Donati ist bereits aufgebahrt, wenn sich der Vorhang hebt. Um ihn schart sich die laut klagende Verwandtschaft. Doch der Schein trügt: In Wirklichkeit ist in dieser habgierigen Erbengemeinschaft jeder auf seinen eigenen Vorteil aus. pd
2./6./8./10./13. Mai
«Gianni Schicchi (Eine Ballnacht)»,
Opernhaus Zürich, Musikkollegium Winterthur
theaterwinterthur.ch
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