Stefan Fritschi
duelliert sich gegen Kaspar Bopp um das Amt des Stadtpräsidenten.
Um Waldrodungen bei der ARA in Winterthur zu kompensieren, soll Landwirt Stefan Märki Land hergeben.
Ökologie Die Winterthurer Abwasserreinigungsanlage (ARA) in der Hard soll auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. So schreibt es der Bund vor, der sich zu 75 Prozent an den Kosten von 288 Millionen Franken beteiligt. Damit kann die ARA künftig auch Mikroverunreinigungen wie etwa Medikamentenrückstände aus dem Wasser filtern. Zudem wird die Kapazität vergrössert. Um für den Ausbau den nötigen Platz zu schaffen, soll im Osten des Areals knapp 30 000 Quadratmeter Wald gerodet werden. Diesen muss die Stadt wieder aufforsten und sie will das auf der anderen Waldseite im Niederfeld tun. Obstbäume und eine ökologische Wiese sollen die Biodiversität im Gebiet aufwerten. Nur: Das Land im Niederfeld wird aktuell landwirtschaftlich genutzt. Die Familie Märki pachtet es seit über 30 Jahren.
Die Pläne der Stadt haben für Stefan und Claudia Märki weitreichende Folgen. Sie verlieren dadurch rund ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche. «Mein Sohn, der in zwei Jahren den Hof übernehmen wird, hat dann keine Existenz mehr», sagt Bauer Stefan Märki im Gespräch. Die Familie produziert hier verschiedene Brot-Getreide, Gemüse oder Zuckerrüben. In diesem Jahr wachsen auf dem Ackerfeld Raps und Kürbis, die von der Familie zu lokalem Öl verarbeitet werden. Dieses wird in Läden der Region oder im eigenen Hofladen verkauft. «Wir arbeiten nach ökologischen Grundsätzen», sagt die Familie. So besitzt sie auch eine doppelt so grosse ökologische Ausgleichsfläche wie vom Bund vorgeschrieben.
Gegen die Ausbaupläne der ARA haben die Märkis nichts einzuwenden. «Der Ausbau ist nötig und soll auch nicht verzögert werden», sagen sie. Sie verstehen jedoch nicht, warum die Stadt an dieser Stelle aufforsten will. «Wir haben hier bestes Ackerland», sagt Stefan Märki. Dies sei auch deswegen von Bedeutung, da der Kanton Zürich beim Ausweisen der sogenannten Fruchtfolgeflächen heute schon ein Defizit habe. Dabei gebe es durchaus Alternativen. «Die Stadt könnte ohne Probleme an anderen Orten aufforsten, zum Beispiel auch auf dem Beerenberg; dort hätte es Platz und wir verlieren kein wertvolles Ackerland», findet Stefan Märki. Oder man verpflichte die zwölf Mitgliedsgemeinden der ARA, jeweils einen Anteil Wald aufzuforsten. Erschwert wird die Aufforstung im Niederfeld durch eine Hochspannungsleitung und eine unterirdische Gasleitung, die das Gebiet durchschneiden. Zu beiden braucht es einen Sicherheitsabstand.
Die Familie kritisiert das Vorgehen der Stadt. «Als uns die Stadt vor rund zweieinhalb Jahren von den Plänen erzählt hat, hiess es, wir könnten mitreden. Das war aber nicht der Fall», so die Familie. «Ein runder Tisch hätte vieles einfacher gemacht», sagt Claudia Märki. Nun liegen die fertigen Pläne auf dem Tisch. Stadtrat und Stadtparlament haben sie abgesegnet. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Die Landwirte erhalten viel Zuspruch. Die 300 Mitglieder der Interessengemeinschaft zum Schutz der Fruchtfolgeflächen haben das Referendum ergriffen. Aktuell werden Unterschriften gesammelt. Kommen diese zusammen, entscheidet am Ende das Volk über die Aufforstung.
Sandro Portmann
Für den Ausbau der ARA Hard muss schutzwürdiger Wald gerodet und eine geschützte Wiese überbaut werden. Die Naturschutzflächen müssen, wie Fruchtfolgeflächen auch, ersetzt werden. Die Aufforstung erfolgt auf einer städtischen Parzelle. Darauf ist letztes Jahr Futtermais gewachsen. Die Pacht geht nach der Pensionierung des Vaters nicht einfach an den Sohn über, sondern wird neu ausgeschrieben.
Regula Forster, Winterthur antworten
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