Stefan Fritschi
duelliert sich gegen Kaspar Bopp um das Amt des Stadtpräsidenten.
Gerade für den Wirtschaftsverkehr bleibt das Gebiet Neuhegi-Grüze schlecht erschlossen.
In der Verkehrsstrategie der Stadt erhält derWirtschaftsverkehr neu mehr Gewicht.
Mobilität Die Stadt Winterthur schaut beim Verkehr genauer hin. Neben der Unterscheidung zwischen motorisiertem Individualverkehr (MIV), ÖV, Velo und Fussverkehr, bekommt der Wirtschaftsverkehr neu mehr Gewicht. Dies nicht zuletzt, weil sich das Gewerbe gegen das Ziel der Stadt wehrte, den MIV bis 2040 zu halbieren – von heute 42 Prozent auf 20 Prozent. Eine neue Grundlagenstudie zeigt nun deutlich: «Die Wirtschaft hat zu Recht auf eine differenzierte Betrachtung bestanden, denn der grösste Teil des Wirtschaftsverkehrs kann nicht verlagert werden», sagt Fritz Zollinger, Projektleiter beim Amt für Stadtentwicklung. Im Gegenteil: Der Wirtschaftsverkehr soll in Winterthur künftig möglichst prioritär behandelt werden. «Er stellt die Versorgung der Stadt sicher und trägt entscheidend zur Lebensqualität der Bevölkerung bei», so Zollinger. Auf der anderen Seite sei beim Freizeit- und Pendlerverkehr eine Verlagerung von der Strasse auf den ÖV oder das Velo möglich. «Wenn wir es schaffen, den Pendler- und Freizeitverkehr massiv zu reduzieren, hat der Wirtschaftsverkehr keine Probleme mehr», so Zollinger.
Die Grundlagenstudie zum Wirtschaftsverkehr macht diesen nun sichtbar. Um ihn mengenmässig zu erfassen, führte die Stadt Verkehrszählungen an der Technikum- und der St. Gallerstrasse durch. Demnach lässt sich rund ein Viertel des gesamten motorisierten Verkehrs als Wirtschaftsverkehr zu bezeichnen. Doch die Zahl sei mit Vorsicht zu geniessen, interveniert der KMU Verband Winterthur und Umgebung. Da bei der Verkehrszählung Firmenfahrzeuge ohne Beschriftung nicht berücksichtigt wurden, geht er von einem deutlich höheren Anteil des Wirtschaftsverkehrs aus.
Den Löwenanteil bei der Zählung machten die Branchen Dienstleistung, Bau und Transport aus, sie machten rund 72 bis 80 Prozent des Wirtschaftsverkehrs aus. Wobei das grösste Sorgenkind der Onlinehandel ist . «Er verursacht ein Viertel aller Lieferfahrten, trägt aber mit weniger als einem Prozent zur gesamten Gütermenge bei», so Zollinger. Gemäss der Studie wird sich dieses Problem in den nächsten Jahren noch zuspitzen. «Aus fachlicher Sicht ist der Verkehrsanteil aus dem Onlinehandel möglichst zu reduzieren», so Zollinger. Wie das geschehen könnte, sei auch eine politische Frage. In der Stadt Monaco aber gibt es ein Modell, das zum Vorbild dienen könnte: Dort gibt es am Stadtrand einen Hub, wo bestimmte Waren gesammelt werden. Die Feinverteilung passiert dann über einen neutralen Transporter. Allerdings funktioniert das Modell nur mit grossen staatlichen Subventionen. «Wir werden das Thema vertieft anschauen. Solche Micro-Hubs haben aus fachlicher Sicht Potenzial», so Zollinger.
Die Verkehrslast des Wirtschaftsverkehrs ist in den drei Stadtteilen Grüze, Hegmatten und Töss ungleich höher als andernorts. «Das sind auch Gebiete mit ohnehin grossem Verkehrsaufkommen. Dort erwarten wir die grössten Herausforderungen für die Leistungsfähigkeit des Strassennetzes», so Zollinger. Die Stadt prüft nun, wie sie den Wirtschaftsverkehr bevorzugen kann. Mögliche Ideen sind spezifische Parkplätze für Handwerker oder wie es in einem Pilotversuch in Bern zur Zeit getestet wird, das Benutzen der Busspur auf bestimmten Strassenabschnitten. Zollinger freut sich, dass auch die Unternehmen von sich aus an einer zukunftsgerichteten Mobilität engagieren. So testet die internationale Aufzugs-Firma Schindler seit Herbst in einem Pilotversuch in Winterthur ein E-Cargobike für ihre Monteure. Aktuell erarbeitet das städtische Tiefbauamt ein Konzept für die Erschliessung von Neuhegi-Grüze, später folgt eine gesamtstädtische Mobilitätsstrategie «Die Mobilitätsstrategie für Neuhegi-Grüze hat absolute Priorität», sagt Zollinger. Er schätzt, dass diese im dritten Quartal 2027 vorliegt. Die Gesamtstrategie dürfte um das Jahr 2030 fertig werden.
Sandro Portmann
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