Stefan Fritschi
duelliert sich gegen Kaspar Bopp um das Amt des Stadtpräsidenten.
«Arbeit dank Bildung» heisst das Credo der Stadt Winterthur.
Die Stadt hat eine neue Strategie für Personen mit geringen Qualifikationen erarbeitet.
Bildung Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben. Das Zitat vom chinesischen Philosophen Konfuzius ist 2500 Jahre alt – aber in Winterthur so aktuell wie nie. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Credo der neuen Bildungsstrategie der Stadt. Laut ihrer Analyse leben hier rund 11 000 Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren ohne Lehrabschluss oder Maturität. Da diese Personengruppe häufiger von Armut betroffen ist und Sozialhilfe bezieht, belastet sie das Portemonnaie der Stadt deutlich stärker. «Im Vergleich zur Winterthurer Wohnbevölkerung ist bei den Sozialhilfebeziehenden der Anteil der Personen ohne nachobligatorischen Bildungsabschluss mit 56 Prozent markant höher», heisst es in der neuen Bildungsstrategie der Stadt.
Wie der Fischer so hat die Stadt gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft und Gesellschaft 14 Massnahmen erarbeitet, die geringqualifizierten Personen mit Bildung einen Weg aus der Armut zeigen. «Arbeit dank Bildung», nennt die Stadt den Grundsatz. Geringqualifizierte sollen die Möglichkeit erhalten, berufliche Qualifikationen zu erlangen und fehlende Grundkompetenzen nachzuholen. Dazu gehören etwa Lesen, Schreiben, Rechnen, mündliche Ausdrucksfähigkeit in deutscher Sprache und die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien. «Das Schliessen der Bildungslücken erhöht die Chancen der Betroffenen, eine Stelle zu finden oder ihre Stelle auch in einem anspruchsvoller werdenden Arbeitsumfeld zu behalten», schreibt die Stadt in einer Medienmitteilung.
Bereits heute hat die Stadt ein breites Bildungsangebot für Geringqualifizierte. Doch die Hürde, es in Anspruch zu nehmen, ist gross. «Sie schämen sich, haben mangelnde Lese- und Sprachkenntnisse, kennen das Bildungssystem nicht und häufig fehlen ihnen finanzielle Mittel. Dies betrifft vor allem Personen, die keine Hilfe aus einem Unterstützungssystem wie zum Beispiel Sozialhilfe, Asylsozialhilfe oder RAV erhalten», heisst es im Bericht weiter. Darum liegt der Fokus der neuen Bildungsstrategie nicht darauf, ein weiteres Bildungsangebot zu schaffen, sondern darauf, die Personengruppe überhaupt zu erreichen. Dies, so die Stadt, sei eine Verbundaufgabe: Kirche, Private, kantonale und städtische Beratungsstellen, aber auch Firmen und Vereine würden bereits viel für mehr Bildung beitragen und als Multiplikatoren eine wichtige Rolle bei der Vermittlung einnehmen können. pd/spo
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