Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Ursula Trivisano-Mundwiler hat die Markthalle in den letzten 18 Jahren zu einem der schönsten Geschäfte Winterthurs gemacht. Nun endet diese Ära.
Delikatessen Es war an Ostern 2008, als Ursula Trivisano-Mundwiler erstmals das damals vom Konkurs bedrohte Delikatessengeschäft «Krebs kleine Märthalle» an der Marktgasse 25 betrat, um es wieder aufleben zu lassen. Die gelernte Goldschmiedin machte aus dem Laden in den folgenden 18 Jahren eines der schönsten Delikatessengeschäfte Winterthurs. Und es wird an Ostern sein, wenn sie zum letzten Mal für die Kundschaft im Geschäft steht. Am Samstag, 4. April 2026, schliesst die Markthalle Trivisano. «Mit einem sehr weinenden Auge», sagt die dann 62-Jährige im Gespräch. Sie schliesst nicht etwa altershalber oder weil das Geschäft nicht rentierte. «Es ist ein Zusammenkommen verschiedener Komponenten», sagt Trivisano-Mundwiler.
Die Hauptkomponente ist die Sanierung des historischen Gebäudes durch die Stadt. Der Winterthurer Stadtrat hat hierfür im April einen Kredit von 4,1 Millionen Franken bewilligt. Der Umbau des sogenannten Waaghauses dauert rund sieben Monate. «In dieser Zeit müssten wir den Laden schliessen, da während des Umbaus der Verkauf von offenen Lebensmitteln nicht möglich sein wird», sagt Trivisano-Mundwiler. Und die Frischtheke sei essenziell für das Geschäft. Viele Kunden kämen extra deswegen in die Markthalle. «Wo gibt es denn sonst noch offene Lebensmittel? Ein Kunde will eine Scheibe Mortadella kaufen? Kein Problem! 20 Gramm Bresaola? Wir machen es möglich», sagt Trivisano-Mundwiler.
Eine Neueröffnung nach dem Umbau ist für Trivisano-Mundwiler keine Option. «Wir müssten bei vielem wieder von vorne beginnen; ein neues Team suchen, alles wieder einräumen und einrichten, oder in neue Kühltheken investieren, da diese den heutigen Umweltanforderungen nicht mehr genügt», so Trivisano-Mundwiler. Die Idee, nach dem Umbau ein Kultur-Café zu lancieren, liess sie schnell wieder los. «Für einen Bistro-Betrieb sind die Auflagen zu hoch», sagt sie. Dabei hätte es mit der Kunsthalle und dem Figurentheater, die sich im gleichen Haus befinden, tolle Synergien ergeben, wie sie findet. Lange hatte sie gehofft, dass die Sanierung gar nicht erst gemacht wird. Die Kosten sind hoch. Ging der Stadtrat anfänglich noch von zwei Millionen Franken aus, so rechnet er heute mit über vier Millionen Franken für die Sanierung. «Das ist utopisch, das kommt nie», dachte die Geschäftsfrau, als sie von der Stadt erstmals über die Sanierungspläne informiert wurde. Doch der Stadtrat bewilligte die Ausgaben. Auf die Stadt hege sie keinen Groll. «Ich bin einfach sehr dankbar und gehe in Frieden», sagt sie.
Die Familie Trivisano-Mundwiler betreibt in Winterthur und Zürich mehrere Geschäfte. So etwa die Firmen Mundwiler Juwelen, Aurum, die Locanda Trivisano oder Frisk Fisk. «Die Markthalle ist damals zu uns gekommen, nicht umgekehrt», sagt heute Ursula Trivisano-Mundwiler. Mit ihrem 40. Geburtstag habe sie eine Sinnkrise durchlebt. «Das Geschäft war meine Rettung», sagt sie. Sie kämpfte sich damals durch die neue Welt der Delikatessen, lernte, was ein kaltgepresstes Olivenöl ist, eignete sich Weinwissen an und las alles über die Herstellung von Käse. «Ich musste vieles lernen. Der Anfang war hart, nichts hat funktioniert. Ich kam oft nach einem 14-Stunden-Arbeitstag weinend nach Hause.» Sie sei dankbar für ihren Mann, der vieles im Hintergrund möglich machte. Aber auch für ihr Team. «In den 18 Jahren wurden wir immer mutiger und kompetenter. Wir fingen an, selbst aus Italien zu importieren», sagt die Geschäftsfrau. Persönliche Auswahl von Kleinproduzenten in Apulien und regelmässige Besuche entwickelten langjährige Geschäftsbeziehungen und Freundschaften. Vor sechs Jahren kam Renate Wegmann zum Team der Markthalle und in ihr fand Ursula Trivisano-Mundwiler jemanden, dem sie die Ladenverantwortung anvertrauenkonnte.
So liebevoll ausgesucht die Delikatessen in der Markthalle auch sind, so wunderbar gestaltet: Rentabel ist das Geschäft nicht. Ihr Engagement sehe sie auch als einen kulturellen Beitrag an die Stadt. Trotzdem glaubt sie, dass ein Nachfolger mit einem Delikatessen-Geschäft Erfolg an diesem Standort haben kann. «Es ist mein Wunsch, dass nach dem Umbau wieder etwas Ähnliches entsteht. Von den Betreibern braucht es aber sicher viel Herzblut. Man muss im Laden aufgehen», sagt sie. Gerne stehe sie beratend zur Seite, falls dies erwünscht sei. Auch für die Büroräume und das Lager suche sie nun einen Nachfolger. Um die Zukunft ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter macht sie sich wenig Sorgen: «Mit dem Top-Niveau, das sie hier gelernt haben und an den Tag legen, wird man sie mit Handkuss nehmen.»
Ostern ist das höchste Fest im christlichen Kalender. Die zentrale Botschaft: Der Tod ist nicht das Ende. So sieht auch Ursula Trivisano-Mundwiler einen Neuanfang, wenn sie ihr Geschäft an Ostern 2026 schliessen wird. Obwohl ihr die viele Freizeit auch Angst mache, so freue sie sich riesig auf ihre drei grossartigen Enkel. «Ich schäme mich in Grund und Boden, dass ich bisher nicht mehr Zeit mit ihnen verbracht habe», so Trivisano-Mundwiler. Auch den Hobbys, der Herstellung von Seife oder der Fotografie will sie mehr Zeit widmen.
Auf Anfrage kann die Stadt Winterthur noch nichts zu möglichen neuen Mietern sagen: «Die Stadt bedauert die in Aussicht stehende Schliessung der Markthalle sehr, es geht damit eine 18-jährige Ära zu Ende. Wie es mit den leerstehenden Räumlichkeiten im Waaghaus weitergehen soll, ist zurzeit noch offen.»
Sandro Portmann
-Winterthur verkommt langsam aber sicher zu einer Schlafstadt. Parkplätze werden abgebaut. Geschäfte verlieren Kundschaft die halt auch mit dem Auto einkaufen gehen. Ich ging früher auch bei Tenti etc. einkaufen. Ohne Auto immer schwieriger. Dann halt ins Glatt.
keller erwin antworten
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