Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
José Adelmo de Barros in seinem Wohnzimmer in Winterthur.
Wurde ein schwuler Mann aus Winterthur wegen seiner sexuellen Orientierung in einem Bewerbungsprozess diskriminiert?
Winterthur Es gehe um Gerechtigkeit, um Gleichbehandlung und um Transparenz, sagt José Adelmo de Barros. «Meine Motivation, diesen Fall an die Öffentlichkeit zu bringen, geht weit über meine persönliche Situation hinaus. Mir ist bewusst, dass viele Menschen Diskriminierung erleben, häufig im Stillen, und dass die Folgen verheerend sein können», sagt der homosexuelle Brasilianer, der heute mit seinem Mann in Winterthur lebt. Genau seine sexuelle Orientierung sei ihm in einem Bewerbungsverfahren zum Nachteil geworden. Er spricht von Diskriminierung.
Im September 2026 bewarb sich José Adelmo de Barros bei Vebego um eine Arbeitsstelle im Bundesasylzentrum in Zürich. Vebego übernimmt als privater Dienstleister das Facility-Management im Bundesbetrieb. Am 23. September sei er ins Bundesasylzentrum eingeladen worden. Dort konnte er sich mit dem künftigen Arbeitsplatz vertraut machen, die Arbeitskleidung anprobieren und es wurden Fotos für den Mitarbeiterausweis gemacht. Eine mündliche Zusage im Vorfeld machte ihn sicher: Er hatte die Stelle. Doch dann kam der Schock: Vor Ort sagte ihm eine Vebego-Mitarbeiterin, dass er die Stelle nicht bekomme. «Der Grund sei, dass ich homosexuell sei und mit einem Mann verheiratet bin. Sie sagte mir dies ausdrücklich und in klaren Worten. Gleichzeitig erklärte sie mir, dass es nicht ihre eigene Entscheidung sei, sondern dass sie lediglich die Anweisung ihrer Vorgesetzten weitergebe. Sie wirkte dabei selbst betroffen und entschuldigte sich», so José Adelmo de Barros. Stutzig machte ihn der Ablauf, denn am selben Tag forderte Vebego weitere Unterlagen zu seinem Ehepartner an. «Ich übermittelte diese Unterlagen, und nur wenige Minuten später erhielt die Mitarbeiterin nach meiner Wahrnehmung einen Anruf von ihrer übergeordneten Vorgesetzten. Kurz darauf kam die Absage der Mitarbeiterin», so José de Barros. Der Vorfall lässt ihn nicht mehr los. «Diese Erfahrung hat mich psychisch stark belastet. Etwas Vergleichbares habe ich noch nie erlebt, nicht einmal in meinem Herkunftsland.» Er hat eine formelle Beschwerde eingereicht.
Den Vorwurf von Diskriminierung weist Vebego auf Anfrage zurück. «Die sexuelle Orientierung von Bewerbenden spielt bei Vebego keine Rolle und hatte auch in diesem Fall keinen Einfluss auf die Entscheidung.» Im Rahmen des Rekrutierungsprozesses sei es zu einer Überschneidung mit einer internen Besetzung derselben Funktion gekommen. «In der Folge wurde entschieden, die Position intern zu besetzen. Der Entscheid stand in keinem Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung oder dem Privatleben des Bewerbers», heisst es bei Vebego. Das Unternehmen stehe für ein respektvolles und diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld. Dass Bewerbende zur Kleideranprobe kommen und Fotos gemacht werden, sei nicht unüblich. «Im konkreten Fall waren diese Schritte erforderlich, damit die Sicherheits- und Zutrittsvoraussetzungen für die Durchführung der Probearbeit im Bundesasylzentrum erfüllt werden konnten», heisst es bei Vebego.
Sandro Portmann
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