Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Baumpflegespezialist Fabian Dietrich hat sich die Rosskastanien an der Technikumstrasse genau angeschaut.
In der Kritik steht vor allem die Sicherheit und die Fällung von alten Rosskastanien. Ohne Änderungen am Projekt drohe die Neugestaltung zu scheitern.
Strassenbau Droht der Technikumstrasse das gleiche Schicksal wie der Frauenfelderstrasse, deren Neugestaltung erst kürzlich im Stadtparlament scheiterte? Statt einem Ausbau kommt nun die Minimalsanierung. Die Situation bei der Technikumstrasse ist ähnlich: Die Strasse ist sanierungsbedürftig und die Leitungen sind teils über hundert Jahre alt. Wird die Strasse saniert, soll sie auch gleich neu gestaltet werden. In den Plänen der Stadt bekommen die Fussgänger mehr Raum und die Velofahrer eine eigene, durchgängige Spur. Wie bei der Frauenfelderstrasse würden auch hier alte Bäume gefällt. Das sei aber nicht nötig, im Gegenteil, es würde der Stadt schaden, sagt Baumpflegespezialist Fabian Dietrich an einer Medienkonferenz am Dienstag. Eingeladen haben die Verbände VCS, «Winterthur: agil – mobil», TCS, Fussverkehr Schweiz und Pro Velo. Weil die Stadt im Mitwirkungsverfahren zu wenig auf ihre Anliegen eingegangen sei, fordern sie nun einen Marschhalt und eine Überarbeitung des Projekts.
Kritisiert werden vor allem zwei Dinge: Die Verkehrssicherheit und die Fällung von 31 Rosskastanien. Dazu hat sich Baumpflegespezialist Fabian Dietrich im Auftrag der Umweltschutzorganisation Fondation Franz Weber die Baumallee genauer angesehen. Er sagt: «Die Bäume sind mit keinem Geld der Welt zu kompensieren.» Die Rosskastanien seien zwischen 60 und 80 Jahre alt, vereinzelte seien 40 Jahre alt. Weil sie bis 300 Jahre alt werden können, bezeichnete er sie als Teenager. Auch in Anbetracht des Planungsperimeters gebe es keinen Grund, die Bäume nicht zu erhalten. «Die Rosskastanien sind sehr vital. Etwas Besseres kann man sich nicht vorstellen. Sie ertragen einen Wurzelverlust während den Bauarbeiten», so Dietrich. Ihre Ökosystemleistung sei enorm. «Ein einziger Baum bindet 13 bis 18 Kilogramm CO₂ am Tag, was fünf bis sechs Tonnen pro Jahr entspricht», so Dietrich. Die Rosskastanien würden Sauerstoff für elf Menschen pro Jahr produzieren und jährlich 100 Kilogramm Feinstaub binden sowie 200 bis 300 Liter Wasser verdunsten, was die Stadt wiederum abkühle. «Ohne die Bäume hätten wir bei einer Lufttemperatur von 35 Grad an dieser Stelle rund 90 Grad über dem Asphalt. Die Bäume kühlen die Temperatur auf 25 Grad ab», so Dietrich. Nicht zu vergessen sei der Nutzen für die Biodiversität, denn die Bäume seien Habitat für zahlreiche Lebewesen, wie etwa die Schliessmundschnecke. «Es wären 400 Jungbäume nötig, um einen einzigen dieser Bäume zu kompensieren», sagt Dietrich. Jungbäume hingegen bräuchten intensive Pflege, was wiederum kostenintensiv sei. «Jeder Jungbaum wird massive Schwierigkeiten haben, an diesem Ort zu gedeihen», so Dietrich.
Die zweite Kritik betrifft die Verkehrssicherheit auf der meistbefahrenen Strasse von Winterthur. Täglich verkehren hier 20 000 Fahrzeuge, darunter etwa 1600 Lastwagen. Zusätzlich sind auch vier Buslinien auf der Strecke unterwegs. Die geplante Strasse sei zu eng, rechnete Christian Maier von «Winterthur: agil – mobil» vor. Die Seitenspiegel eingerechnet, komme ein Lastwagen auf eine Breite von 3,10 Metern. «Beträgt die Fahrspur wie geplant nur drei Meter, so ist der LKW gezwungen, permanent teilweise auf dem Velostreifen zu fahren, was das Überholen von Velos faktisch verunmöglicht», wie Maier sagt.
Bei der Stadt hat man für Anpassungen in diesem Planungsstadium keinen Spielraum, wie Stadträtin Christa Meier auf Anfrage sagt. «Strassenprojekte folgen einem klaren Verfahren des kantonalen Strassengesetzes. Inzwischen hat der Stadtrat das Projekt festgesetzt», sagt Stadträtin Christa Meier. Es gebe keine Möglichkeiten mehr für Anpassungen. Auf die Kritik habe man in einem frühen Mitwirkungsverfahren reagiert. So werde die Stadt beispielsweise sechs grosskronige Bäume erhalten. Sie selbst kritisiert, dass die Verbände mit ihren Drohungen die gesetzlichen Verfahren aushebeln würden. «Wir können nicht allen Wünschen entsprechen. Oft gehen sie diametral auseinander. Würden wir alle Maximalforderungen umsetzen, müsste die Strasse viel breiter sein», so Meier. Man habe eine bestmögliche Aufteilung der Strasse vorgenommen.
«Es ist uns klar: Wir können für die Velofahrer nicht die absolut ideale Breite bieten, aber sie ist durchaus vertretbar.» Dies nicht zuletzt, weil parallel zur Technikumstrasse eine Veloweg führe. «Zudem wird das neue Tempo-30-Regime die Situation auf der Strasse entschärfen», so Meier. Zu den Bäumen sagt die Stadträtin: «Selbstverständlich fällen wir nie leichtsinnig Bäume.» Ein städtisches Baumgutachten habe gezeigt, dass die Bäume die Baustelle kaum überleben würden, da die Bauarbeiten das Wurzelwerk tangieren. «Wir pflanzen aber 18 zusätzliche Bäume, die gesund alt werden können.» Wann der Regierungsrat über den Rekurs entscheidet, kann sie nicht abschätzen. «Wir hoffen, der Entscheid kommt in den nächsten Monaten.» Der Kredit für das Strassenprojekt kommt schliesslich vor das Stadtparlament. «Nimmt die Stadt den Aufruf nicht ernst, wird genau das gleiche passieren, wie bei der Frauenfelderstrasse», sagt Christian Maier, der für die FDP im Parlament sitzt.
Sandro Portman
Bäume zu fällen ist oft schlecht, Unsinn zu erzählen aber auch. Ein mittelgrosser Baum speichert rund 70 kg CO2 pro Jahr. Die 5 bis 6 Tonnen die hier genannt werden, speichern grosse Bäume als Gesamtvolumen. In einem Jahr produziert er rund 50 kg Sauerstoff. Dies entspricht ungefähr einem Sechstel des menschlichen Jahresverbrauchs.
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