Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Am 6. Februar erstrahlt auch Saal 2 im Kino Kiwi Center in neuem Glanz. Besitzer Hanspeter Sigg über den vierten Umbau des Kultkinos in Winterthur.
Und Action! Das Licht im Saal wird gedimmt, und das Getuschel verstummt. «Nicht spoilern», raunt eine strenge Stimme einem Sitznachbarn scharf zu, bevor die kolossale Leinwand zu flimmern beginnt. Basswellen durchströmen den Raum und lassen den Sitz unter einem erzittern. Der Duft von Popcorn liegt in der Luft, vermischt mit einer gespannten, kollektiven Vorfreude auf das bevorstehende Filmerlebnis – willkommen in der faszinierenden Welt des Kinos!
Kein Zweiter kennt die Kinogeschichte in Winterthur besser als Hanspeter Sigg. Der 85-jährige Doktor beider Rechte ist seit 1980 Besitzer des 1927 noch unter dem Namen «Kino-Theater am Neumarkt» gegründeten Kino Kiwi. Seit 1982 kennzeichnet der neuseeländische Vogel die Kinos seiner Gruppe. Der Name Kiwi steht dabei abkürzend für «Kino Winterthur», denn gleich zwei seiner Kinos – das Kiwi Center und das Kiwi Loge – befinden sich in der Winterthurer Altstadt.
In 40 Jahren erfuhr das Kiwi vier grosse Umbauten, die letzte 2023/24. Dies nicht zuletzt, um dem stetigen Besucherschwund etwas entgegenzuwirken. «Aufkommende Streaming-Dienste und die Nachwirkungen von Corona machen es der Branche aktuell besonders schwer. Früher gab es Jahre, da hatten wir in Winterthur 400 000 Besucher», sagt Sigg. In den 2010er-Jahren waren es noch 220 000. Während und nach der Pandemie gingen die Zahlen noch weiter zurück. «Aber Kino ist und bleibt Kultur, und mit dem modernisierenden Umbau können wir das Kino wieder schmackhaft machen,» so der Kinobesitzer.
Im März 2018 hatte das Kino eine Umfrage zu seinen Sälen im Kiwi Center durchgeführt. «Negativ beurteilt wurden die zu geringen Reihenabstände in Saal 1 und 2 sowie die dort bereits durchgesessenen Sitze», so Sigg. Zudem wurde die teilweise beschränkte Sicht auf die Leinwand hinter grossgewachsenen Personen beanstandet. Dies bewog den Kinobesitzer zu einer Erneuerung. Seit April letzten Jahres ist das Kino Kiwi Center in seinem neusten Umbau. Saal 1 und 2 werden modernisiert, wobei der Umbau von Saal 1 bereits abgeschlossen wurde. Die Bauarbeiten in Saal 2 werden Ende Januar dieses Jahres fertiggestellt. «Überholt schien beim Kino das traditionelle Theaterkonzept mit Parterre und Balkon. Das moderne Kino präsentiert sich heute als ein treppenförmiges Oratorium mit seitenfüllender Leinwand und ohne Bühnenvorhang. Diesem Saalkonzept folgen nun auch die Kiwi-Säle 1 und 2.» Die Säle bringen eine modernste Bestuhlung und je eine Reihe von sogenannten D-Box-Motion-Sesseln mit integriertem Bewegungssystem. Je nach Film und Szene bewegen sich diese Sessel und bieten ein 4D-ähnliches Filmerlebnis.
Wegen des erweiterten Reihenabstands habe sich die Saalkapazität zwar auf etwa die Hälfte reduziert – in Saal 1 von 390 auf 199 und in Saal 2 von 125 auf 68 Sitze –, biete nun aber eine optimale Sicht und mehr Komfort. «Die vorderste Sitzreihe ist neu mit platzsparenden Klappsitzen ausgestattet, was nicht nur Rollstuhlfahrern mehr Bewegungsfreiheit verschafft, sondern auch den Bühnenraum für Referate vergrössert und den Weg für Referenten zur Bühne verkürzt.»
Bei der Projektion und Beleuchtung kommen neuste Laser-Technologien zum Einsatz. Der Projektor ist auf einem Lift gelagert und lässt sich zur Wartung herunterfahren. So können auch die neugierigsten Kinobesucher nicht in die augenschädigenden Laser blicken. Der neue Projektor braucht weniger Energie und ist deshalb nachhaltiger als die bisher verwendete Xenon-Technologie.
Für die beste Farbwiedergabe wird die 60 Quadratmeter grosse Leinwand in ein leichtes Zittern versetzt, und ein Dolby-Atmos-Klang begleitet das grosse Bild in hoher Qualität. Moderner ist auch die Saalbeleuchtung geworden, die jeden Farbton wiedergeben kann. «So lässt sich der Saal je nach Emotionslage in jeder Farbe beleuchten und mit Farbwechseln bespielen.»
Sigg hat in all den Jahren einiges erlebt. Dreiste Konkurrenzkämpfe, in denen Busse vor dem Kiwi parkiert wurden, um Besucher zu einem anderen Kino zu fahren. Aufgeschlitzte Sitze, um klar zu machen, dass diese mal erneuert werden sollten. Säureanschläge, um Filme zu zerstören, bis hin zu Bombendrohungen. Aber Sigg hat auch viel Schönes erlebt. «Die Bühne von Saal 1 wurde zweimal von Kinofans für ihre Trauung ausgewählt. Die Projektion der Verlobungen auf der grossen Leinwand und das Ehering-Suchen unter den Sitzen waren beide Male besondere Höhepunkte.» Laut Sigg sei im Kino der Film allein halt eben nicht alles. «Es ist auch der ganze soziale Aspekt rundherum.» Am 6. Februar ist Neueröffnung von Saal 2. Dann will Sigg zeigen, was man alles in einem Kino und auf der Leinwand machen kann.
Janik Schmid
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