Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Seit insgesamt 77 Jahren prägt die einstige «Bolli Resten und Stoffzentrale» die «Steibi». Jetzt suchen Ruedi Weigold und sein Team ein neues «Zuhause».
Einschnitt 1948 eröffnete Jakob Bolli an der Steinberggasse 37 seine Firma «Bolli Resten und Stoffzentrale», ergänzte diese 1961 mit einem Hemdenservice und zwei Jahre später mit einer Vorhang- und Teppichabteilung. Vier weitere Jahre später trat Bollis Neffe, Heinz Weigold, in das nun «Bolli Teppichböden - Vorhänge - Stoffe» genannte Familienunternehmen ein. 1970 starb Jakob Bolli, der junge Heinz Weigold übernahm das boomende Geschäft. 1999 zog der aus allen Nähten platzende Betrieb ein paar Hausnummern weiter und die Gassenseite wechselnd an den heutigen Standort an der Steinberggasse 12/14. Dies ohne die Vorhang- und Teppichabteilung, die ausgegliedert und von einem ehemaligen Mitarbeiter übernommen und an der Steinberggasse 37 weitergeführt wurde. Mit dem Ausbau der Ladenfläche wurde 2005 gleichzeitig der Verkauf und der Reparaturbereich für Bernina-Nähmaschinen angegliedert. Neu hiess das Unternehmen nun «Bolli Modestoffe - Mercerie - Nähzubehör». 2013 übernahm der heutige Geschäftsführer und Inhaber Ruedi Weigold den Betrieb von seinem Vater Heinz, der 2015 verstarb.
Die Lockdowns 2020 und 2021 machten dem Traditionsgeschäft, wie vielen anderen Unternehmen auch, zu schaffen. Dank innovativen Ideen, flexiblen Mitarbeitenden und umsichtiger Geschäftsführung konnte der Schaden aber ohne Personalabbau in Grenzen gehalten werden. «Wir kamen da gut raus und konnten rasch wieder an erfolgreiche Zeiten anknüpfen», so Ruedi Weigold. Umso überraschter war er, als er im vergangenen Frühling vor die vollendete Tatsache gestellt wurde, dass die zuvor einer Versicherungsgesellschaft gehörende Liegenschaft verkauft worden war. Geradezu aus allen Wolken fiel der umtriebige Geschäftsmann, als er wenig später von den neuen Besitzern über eine Verdoppelung des bisherigen Mietzinses informiert wurde. «Eine leichte Mietzinserhöhung hätten wir verkraften können, dies aber sprengt alle unsere Möglichkeiten», bekräftigt Ruedi Weigold. Gespräche mit den neuen Hausbesitzern brachten wenig, weshalb für ihn schnell einmal feststand, für sein Unternehmen mit rund 40 Mitarbeitenden schweren Herzens einen neuen Standort suchen zu müssen. «Im Moment geht es noch darum, zumindest so lange, bis wir etwas gefunden haben, zu den gegebenen Konditionen hier bleiben zu können. Je schneller wir aber etwas Geeignetes finden, desto beruhigter kann ich in die Zukunft blicken», so Weigold.
Mit der Bolli Textilwaren AG und mit ihm als innovativen, auch stets für das Wohl der Gasse bedachten Unternehmer, dürfte die «Steibi» einen herben Verlust erleiden. «An oberster Priorität steht für uns, dass wir unsere geschätzte Kundschaft auch in Zukunft in passender, gut zugänglicher Umgebung bestens bedienen, beraten und schulen können», sagt Ruedi Weigold. Unterkriegen lässt er sich deshalb nicht, wie er sagt:«So schwierig die ganze Situation für alle Beteiligten zurzeit auch ist, wir bleiben optimistisch, einen guten Standort zu finden, freuen uns auf viele Inputs und Vorschläge. Zudem kann jede Veränderung auch eine Chance sein. Mit dem Schicksal hadern bringt jetzt nichts, wir müssen vorwärts schauen.» Weigold betont zudem, dass ein Betrieb wie bisher unter einem einzigen Dach ein Wunschdenken sei, eine Auslagerung etwa der Werkstatt oder der Schulungsräume deshalb eine Option wäre: «Wichtig ist für uns, künftig zu einem 400 bis 500 Quadratmeter grossen Ladenlokal 100 bis 200 Quadratmeter Büroräume und einen Lagerbereich am selben Standort zu haben.»
George Stutz
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