Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Das Winterthurer Trinkwasser ist von ausgezeichneter Qualität. Damit das so bleibt, leitet die Stadt das Abwasser um, und investiert in den Ausbau der ARA.
Trinkwasser Eulachstadt? Eigentlich müsste das Synonym für die Stadt Winterthur Tössstadt heissen, ginge es nach der Bedeutung des Flusses für die Stadt. Denn der Hahnenburger von Herrn und Frau Winterthur kommt zu hundert Prozent aus dem Grundstrom der Töss – und dieser ist dank seinem kiesigen Flussbett ein ausgezeichneter Filter. So vermeldete Stadtwerk Winterthur kürzlich, wie jedes Jahr, eine hohe Qualität beim Trinkwasser – und sie müssen es ja wissen: «Stadtwerk Winterthur lässt jährlich über 700 Wasserproben durch Fachlabore kontrollieren», wie der städtische Betrieb im aktuellen Newsletter mitteilt. Bis zu 100 Inhaltsstoffe würden pro Probe überprüft. Zudem analysiert auch der Kanton unangemeldete Stichproben.
Ein kleiner Wermutstropfen: In den Wasserproben wurden zum ersten Mal Rückstände eines Arzneimittels nachgewiesen. «Er lag allerdings weit unter dem zulässigen Höchstwert», wie Stadtwerk schreibt. Der Grund dafür sind aber nicht mehr Arztbesuche in Winterthur, sondern bessere Messmethoden und neue Grenzwerte. «Letztes Jahr wurde die Nachweisgrenze für den Arzneimittelstoff Lamotrigin halbiert, wodurch dieser Inhaltsstoff 2024 erstmals im Winterthurer Trinkwasser nachgewiesen werden konnte», heisst es bei Stadtwerk auf Nachfrage. Der Inhaltsstoff Lamotrigin kommt laut Pharma-Lexikon bei Epilepsie und bipolaren Störungen zur Anwendung, wird neuerdings aber auch immer häufiger als Antidepressiva verwendet.
Um die hohe Qualität des Trinkwassers zu verbessern, investiert die Stadt in zwei Projekte. Einerseits sollen mit dem Projekt «Abwasserfreie obere Töss» überhaupt weniger Schadstoffe ins Grundwasser gelangen und andererseits wird die ARA in der Hard mit einer neuen Reinigungsstufe für Mikroverunreinigungen ausgebaut.
2019 gab das Winterthurer Stimmvolk mit über 90 Prozent Ja-Stimmen grünes Licht für das Projekt «Abwasserfreie obere Töss». Bis 2035 sollen im Tösstal die Abwasserreinigungsanlagen in Weisslingen und Bauma geschlossen werden. Das Abwasser wird mit einer neuen Leitung direkt nach Winterthur geleitet. «Auch mit der besten Kläranlage können nie hundert Prozent der im Abwasser vorhandenen Stoffe entfernt werden. Somit ist es ideal, wenn das genutzte Trinkwasservorkommen nicht mit Abwasser, selbst wenn dieses sehr gut gereinigt ist, in Kontakt kommt», sagt Urs Buchs, Leiter Technik Gas und Wasser bei Stadtwerk Winterthur.
Das Projekt sei im Zeitplan. Aktuell laufen Vorprojekte für die neue Leitung ab der Kläranlage Bauma in Saland bis Sennhof sowie für die unterirdische Verbindung von Sennhof nach Winterthur Seen. Der Eschenbergstollen soll entgegen der ursprünglichen Variante (nach Winterthur Töss) nach Winterthur Seen erstellt werden. Das Vorprojekt der Regionalen Abwasserentsorgung Tösstal (RAT) liegt aktuell beim Tiefbauamt Winterthur zur Prüfung.
Für das Projekt haben sich die beteiligten Tösstaler Gemeinden sowie das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) zusammengeschlossen. Sie rechnen mit Investitionskosten von rund 90 Millionen Franken, verteilt auf einen Zeitraum von rund 25 Jahren. An diesen Kosten beteiligt sich Winterthur mit rund elf Millionen Franken.
Gereinigt wird das Abwasser aus dem Tösstal künftig in der ARA Winterthur, der zweitgrössten Abwasserreinigungsanlage im Kanton Zürich. Diese wird in den kommenden 15 Jahren auf den neusten Stand der Technik gebracht. Damit können die neuen Umweltauflagen erfüllt werden, es wird die Kapazität erhöht und mit der neuen, der fünften, Reinigungsstufe steigt die Qualität des Trinkwassers. Bisher gab es vier Stufen: Die mechanische Reinigung, die chemische Reinigung, die biologische Reinigung und die Filtration, also das Abtrennen von feinsten Partikeln. Herkömmliche ARA können Mikroverunreinigungen nur bedingt entfernen. Beispiele von Mikroverunreinigungen sind Rückstände von Unkrautvertilgungsmitteln aus Gärten, von Medikamenten wie Antibiotika oder Antibabypillen, von Duft- und Geschmacksstoffen aus Duschmitteln und Shampoos oder gelöste Farbrückstände von Fassaden.
Die Stoffe sind teilweise schon in geringsten Konzentrationen schädlich für die Wasserorganismen, oder reichern sich in der Umwelt an. «Mikroplastik, also Kunststoffteilchen, mit einem Durchmesser unter fünf Millimetern, gehört nicht zu den Mikroverunreinigungen, wird aber oft damit verwechselt», heisst es bei Stadtwerk. Es gibt mindestens 30 000 synthetische Stoffe, die in der Schweiz tagtäglich eingesetzt werden. «Ein Teil dieser Stoffe – mehr als 80 Prozent – kann mit der neuen Stufe gut eliminiert werden», heisst es bei Stadtwerk Winterthur. Die neue Reinigungsstufe, die vom Bund gefordert und zu 75 Prozent mitfinanziert wird, soll 2029 in Betrieb genommen werden. Der ganze Ausbau der ARA dauert bis 2040. «Mit der künftigen Elimination von Mikroverunreinigungen nehmen die Schweiz und Winterthur eine Vorreiterrolle ein», heisst es bei Stadtwerk.
Sandro Portmann
Hallo zusammen, die Ursache für minderwertiges Trinkwasser liegt in der Haustechnik. Selbst wenn das Wasser vom Versorger den gesetzlichen Bestimmungen entspricht, wird es sich auf dem Weg zum Haus und im Haus verschlechtern. Es können farbl., geschmackl. und hygienische Probleme entstehen. 2 Bereiche müssen beachtet werden. Das vom Versorger abgegebene und das Wasser aus den Entnahmestellen. LG
Ralf Hetzel antworten
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