Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Stewis in den 1960er-Jahren in einer Winterthurer Siedlung. Bild: bildarchiv.winterthur.ch
Stewi ist der Inbegriff für Wäschespinnen und -ständer. Diese Ära geht voraussichtlich mit diesem Jahr zu Ende. Die Gründer suchen einen Käufer.
Wäschespinnen Die Winterthurer Traditionsfirma Stewi mit Sitz in der Grüze stellt im September ihre Produktion ein. Per Ende Jahr planen die Inhaber die Auflösung der Firma. Den Hauptsitz hätte Stewi wechseln müssen, da das über 50-jährige Gebäude durch einen Neubau ersetzt wird.
Aus gesundheitlichen und altersbedingten Gründen sehen sich die Inhaber nicht in der Lage, die Stewi AG an einem neuen Standort weiterzuführen, wie sie am Donnerstag letzter Woche mitteilten. «Hinzu kommen die aktuell ungünstigen Rahmenbedingungen bei der Produktion von Gütern in der Klasse des Stewi-Angebotes in der Schweiz sowie die erschwerte Teilnahme an nationalen und internationalen Absatzmärkten», wie es weiter heisst. Der von allen Seiten einwirkende Preisdruck, begleitet von Nachwehen der Covid-Pandemie, hätte die Entscheidung massgeblich beeinflusst. Auch wenn das Ende nah ist, so besteht für die Traditionsfirma ein Funke Hoffnung.
«Wir suchen nach einem Käufer, der die Stewi AG übernehmen möchte», so Lorenz Fäh, einer der zwei Inhaber. Bisher kam es zu keinem Verkauf. Die Geschäftsleitung ist mit Interessierten im Gespräch. Was aus der Marke Stewi wird, bleibt ungewiss.
Die Stewi fertigte ihre Produkte in der Schweiz. Entsprechend sind die Ausgaben höher als im Ausland: das Material, die Mieten, die Löhne. «Die Marge auf den Produkten ist eher gering. Die Produktion weiter zu automatisieren, ist nicht zielführend. Nichtsdestotrotz schreiben wir schwarze Zahlen», so Fäh. Zu den Umsätzen und den Verkaufszahlen gibt die Stewi aber keine Auskunft. Die Produkte liess Stewi einst in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies von Häftlingen zusammensetzen. Mittlerweile übernehmen die Häftlinge nur noch kleinere Aufgaben wie das Verpacken der Produkte.
Der Name der Firma Stewi setzt sich aus dem Nachnamen des Gründers, Walter Steiner, und der Ortschaft zusammen: Steiner Winterthur. Im Jahr 1947 entwickelte Steiner die erste Wäschespinne aus Holz und Hanfseilen. In den 1960er-Jahren folgte der heute bekannte Stewi aus Aluminium und Kunststoff. In dieser Zeit patentierte Steiner das erste reiss- und rutschfreie Kunststoffseil. Der Senior verstarb vor 14 Jahren. Die Erben führten das Geschäft anschliessend weiter – bis ins Jahr 2017. Stephan Ebnöther und Lorenz Fäh kauften die Stewi AG und übernahmen eine in die Jahre gekommene Firma.
Die neuen Besitzer tauschten die Informatik komplett aus. Wie Ebnöther vor sechs Jahren in der «Aargauer Zeitung» sagte, hätte die Lohnbuchhaltung vorher drei Tage in Anspruch genommen. Mit der neuen Technik benötigte die Firma lediglich eine Dreiviertelstunde.
Der jüngste Sohn von Walter Steiner, Rolf Steiner, überholte die Spritzgussmaschinen. «Wir haben die Stewi ins digitale Zeitalter gebracht», so Fäh. Die «Aargauer Zeitung» schrieb, dass der frühere Chef der Stewi die Mitarbeitenden schikanierte. Er hörte gar die Telefone ab. Die grosse Aufgabe bei der Firmenübernahme im Jahr 2017 war, das Vertrauen der Mitarbeitenden zu gewinnen und den Innovationsgeist wieder zu wecken. Fäh: «Bis auf zwei Mitarbeiter arbeiten alle noch hier, die vor der Übernahme dabei waren.»
Jan Gubser
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